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rung iſt¹)? Die Form, in der der Realismus zur Geltung kommt, iſt der Roman, der realiſtiſche Roman, deſſen höchſte Vollendung Flaubert erreicht hat. Zuerſt pſychologiſch wie im Werther, der Carmen des Merimée, bei Stendhal und George Sand, beginnt er ſoziologiſch zu werden mit Balzac, dem Vater des Realismus. Das Wort Guyaus:„Balzac n'est pas vraiement réaliste; il est classique comme les poètes dramatiques du dix- huitième siècle avec cette différence, qu'il est beaucoup plus“ kennzeichnet ſeinen Standpunkt und ſeine Verehrung für den Dichter, der ihm wie Hugo in der Lyrik, ſo im Roman das Höchſte ge⸗ leiſtet zu haben ſcheint. Und noch einen anderen bezeichnet er als Wegweiſer des Realismus, denjenigen, den allein er als wirklich philoſophiſchen und ſozialen Dichter möchte gelten laſſen: V. Hugo.
Unſer Äſthetiker lebt der Überzeugung, daß der Künſtler immer mehr Prieſter einer dogmenloſen Religion werden wird, wenn die Kunſt an die Stelle der dogmatiſchen Religionen tritt, die das ideale Bedürfnis der Menſchen nicht mehr befriedigen. Allein dieſe Entwicklung hat zur Vorausſetzung die Verbindung der Kunſt mit der Philoſophie, der Philoſopie nämlich, die ſich mit der Frage nach unſerer Exiſtenz und Beſtimmung befaßt. So erhält die Kunſt eine religiöſe und ſociale Miſſion, von der nach Guyaus Meinung alle großen Dichter des 19. Jahrhunderts beſeelt waren und der Repräſentant dieſes 19. Jahrhhunderts iſt V. Hugo.
Wir können hier füglich Guyaus Äußerungen über Lamartine übergehen, in deſſen Anſchauungen er ſowohl eine Verbindung chriſt⸗ licher und neuplatoniſcher Ideen erblickt, als auch ſoziale Ideen, denen der Dichter ſeine Eingebungen verdankt, ohne aber von religiöſen, moraliſchen und philoſophiſchen Fragen ſo tief wie andere Dichter erfaßt zu werden. Bei Alfred de Vigny findet Guyau den Peſſimismus zum Ausdruck gebracht, den dieſer angebahnt und dem Alfred de Muſſet in ſeinen ſchönſten Verſen ergreifende Worte ge⸗ liehen hat. Eilen wir daher zu Hugo, zu dem Dichter, in dem Guyau ſeine äſthetiſchen Prinzipien verwirklicht findet, den er als
1) Vgl. die oft treffenden Bemerkungen über Zola und den Naturalismus S. 156—159.


