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die Häuſer, welche lermeten, fraſen und ſofen, den Wein und Gläſer zum Fenſter hinaus geſchüttet, die Speiſen mit Füßen zertreten, Schänke und Thüren zerſchlagen haben. Die Herren mußten ſich alſo in Beſorgung eines größeren Unglücks mit den officiers vergleichen: einem Hauptmann täglich 1 rh., dem lieutenant 37 kr. und auch den abweſenden officiers nach der erſten Verordnung ihre portiones zu geben; dem major⸗-ſtab 2 fl. 30 kr.....*) So mußte auch dem Kriegs-commissaire de Villanclos täglich 7 ½ fl. und dem Platz⸗major ein Gewißes vom Weinzapf, alle Zungen vom ge⸗ ſchlachteten Vieh und die bezahlung für 300 Soldaten, ſo im Regiment gemangelt, gegeben werden. Allein dieſem ohngeachtet waren die bestien doch nicht vergnügt, ſondern die Reuther jagten ihre Wirthe aus den Häußern hinaus und haußten darin eigenen Gefallens.
Weil nun die entkräftete Bürgerſchaft die Koſten dieſes harten Winter⸗-quartiers faſt nicht auf⸗ treiben konnten, ſo mußten ſie dem wucherſüchtigen.. Volk das ihrige verſetzen und verkaufen, welche alle Freiheiten genoſen, indem ſie ſogleich beim Einzug der Franzoſen das Kayſerl. Wappen abge⸗ macht und ſich dem franzöſiſchen Schutz unterzogen. Hoc anno 1688 den 20,30 Xbre während dem Winter-quartier zog der hieſige commandant Palestron mit 2000 Mann zu Fuß und 400 zu Pferd auch mit 2 ſchwehren Geſtück von hier aus nach dem überrheiniſchen Schloß Starkenburg worin ein heſſiſcher Hauptmann Nahmens Hr. v. Copes mit 70 Soldaten gelegen, um dasſelbe hinweg⸗ zunehmen. Er(Palestron) mußte aber mit vielem Verluſte abziehen.**)
Nach ſolchem ängſtlichen Winter-quartier kam ein Befehl, es ſolten Chriſten und Juden hand⸗ treulich angeloben, was ſie nach Cölln, Holland und Frankfurt ſchuldig wären, welche Gelder gleich darauf abgetragen werden mußten. Nach dieſem kam ein weiterer Befehl, es müßte alle Befeſtigungs⸗Werker der Stadt, nehmlich Mauern, Wälle, Thürme und Thoren umgeworfen und dem Boden gleich gemacht werden.
2) Jahr 1689.
Anno 1689, nachdem der Befehl angekommen, es ſolten alle Befeſtigungs⸗Werker der Stadt niedergeriſen werden, mußten die Bürger und Bauern im Februar daran den Anfang machen, wie ſchon die Maurer den Winter durch zu Sprengung der feſten Türne Minen graben mußten, wobey es zwar hieß, ſie würden bezahlt, welches aber nichts war. Der Aul-Turn hinter dem Marien- Münster wurde zuerſt geſprengt, welcher zwar etwas in die Höhe ſprang, doch, wiewohl kaum, ſtehen blieb. Darauf folgten viele andre Türne an der Stadt und Vorſtadt. Sodann kam es an den Neid-Turn am Rhein(welcher a0. 1410 circa auf einen Felſen zu bauen angefangen worden; er war inwendig mit einer Brücke und doppelter verdeckten Bruſtwehr verſehen; am Rhein zu war ein Wall, und Mauer am unteren Theil des Turns ſind über 10 Werkſchuh dick geweſen). Dieſer Turn hielte mehr denn 30 Minen unbeweglich aus, doch iſt er endlich durch eine große Menge Pulver geſtürzt. Ihm folgte der Luginsland-Turn. An dene Martins-Turn wurden 5 Minen vergeblich geſprengt. Die Burgerſchaft botte darauf dem Ingenieur du Fort 500 fl. an, ſolchen zu verſchonen, der es auch verſprach, gleichwohl aber nicht gehalten worden. Das Neue⸗-Thor mußte alsdann auch niedergeriſen werden. Die Türne hinter der Juden-Gaß wurden in den Stadtgraben geworfen. Das Andreas- und das Speier-Thor mußten auch niedergeriſen werden. Es wurde dann das ziemlich
*) Zeichen der Auslaſſung einiger Worte, in denen der Vf. ſich zu wiederholen ſchien. **½) Alſo auch ein rühmliches Gedenkblatt der Geſchichte der braven Heſſen.


