7— verſehene Zeughauß völlig ausgeleert, und die Geſtück kamen theils nach Landau theils nach Maynz. Die eiſerne Stück hingegen verſunken ſie in den Rhein, nahmen auch der Burgerſchaft ihr Gewehr.
Als dieſe Verſtöhrung geſchehen, wurde denen Einwohnern angezeigt, bey Straf der Abbrennung ihrer Häuſer, ihre Früchte alle anzuzeigen und vor jeden Menſchen, davon die Kinder von 4 Jahr ausgenommen, ein Malter davon zu behalten, das übrige mußten ſie an den Rhein nebſt noch weitere 110 Malter allerhand Früchte liefern und doch dabay ſich und die Soldaten verköſtigen.
Darauf kam zwar ein Königl. Befehl, die Soldaten ſolten ſich künftig ſelbſt verpflegen, dieſer dauerte aber nur 14 Tag, darauf dann erſt die rechte Nachwehen gekommen. Als der Major mit ſeinem Volk abziehen ſolte, mußten ihm noch 1000 fl. erlegt werden, da er ſonſt drohte, die im Bürgerhof gefangenen Herren vom Magistrat nach Strasburg zu ſchleppen. Dieſen löſete der Brigadier de Peisonel mit einem Dragoner-Regiment und 6 andern compagnien Reuter ab, welche das Gedreyt fouragirten. Nach deren Abzug kam das Dophinische und wieder ein Reuter⸗Regiment.
Am 12. May st. v.*) Abends kam der Intendant de la Fond und zeigte dem Rath an, daß der König der Stadt zwar ganz wohlgewogen ſey; ſeine Angelegenheit aber erfordere es, daß die ganze Stadt ſolle abgebrannt werden, weil ſeine Völker zu ſchwach wären, die Feinde abzuhalten, und um ihnen den Unterhalt zu benehmen. Der Dom zwar und Biſchofs-Hof ſolten verſchonet werden, und die Einwohner der Stadt 6 Tag Zeit haben, das ihrige in die Königs-Landen zu bringen; über den Rhein aber ſolten ſie nichts führen. Die ſich in ſeinem Reich wolten ſetzen, denen wolle er 10 bis 15jährige Freyheit geben.
Den 21/23 May um 4 Uhr Nachmittags wurde endlich dieſe uralte Stadt durch des Melacs mordbrenneriſche grenadiers mit Feuer angeſteckt, welches dann ſo gewüthet, daß in etlichen Stunden die geweſene Stadt in Schutt und Aſche verwandelt worden, welches Feuer man etliche Meile Weg hell ſehen konnte.
Den Verluſt rechnet man unter andern: an baarem Geld, ſo vor dem Brand erlegt werden mußte, 200,000 fl.; der im Dom verurſachte Schaden 2 Tonnen Gold; an Wein über 20,000 Fuder; an Wohnhäuſern 900 bis 964.
In der Magni⸗Kirch haben ſie alle Gräber geplündert und die Leichnam herausgeworfen, u. a. einen zinnernen Sarg, darinn ein gräflich Leinig. Leichnam gelegen, ausgeleert und den Körper liegen laſſen.
Aus der Johannis-Kirch haben ſie einen Pferds-Stall und aus dem Dom eine Schmitte gemacht.
Ein damals hier geweſener Jeſuit meldet von dieſem Brand: Anno 1689(adhuc lugens memini) die nona Junii, feria III pentecostes, quando super ecclesiam hanc Wormatiensem et complures vicinas ditiones in igne venit spiritus, sed minime sanctus, adsumens omnia tum profana tum sacra irreparabili per saecula damno et indigno Christianis probro!
Der Verluſt der Stadt wird noch weiter gerechnet, wie aus einem ſtädtiſchen Beſchwehrungs⸗ ſchreiben nach Regensburg erhellet, welches anno 1696 herausgekommen und extracts-weiſe hierüber befindlich ſteht, als:**)
Es verlohr die Stadt und Magistrat: rh. 1,161,020 Die Einwohner vor ihren Theil: rh. 1,848,000
Summa: rh. 3,009,020
*) st. v. d. h. des alten Stiles oder nach dem julianiſchen Kalender. **) Deutſch: Im J. 1689, mit tiefer Trauer denk' ich noch daran, am 9. Juni,(irrthümliches Datum!) den dritten. 6


