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ferner, um ein andres Beiſpiel zu nehmen, eben ſo mit den Weinliebhabern? Siehſt du nicht, daß ſie gerade ſo verfahren, indem ſie bei jedem Weine einen Vor⸗ wand haben, um ihn ſich munden zu laſſen?— Ja gewiß.— Ferner an den Ehrliebenden wirſt du vermuthlich auch bemerken, daß ſie ſich mit einer Hauptmanns⸗ ſtelle zufrieden geben, wenn ſie nicht General werden können, und daß ſie, falls ſie nicht von Großen und Vornehmen geehrt werden können, ſich mit der Ehre der Kleinen und Niederen begnügen, weil ſie überhaupt nach Ehre geizen.— Ja das ſicher.— Jetzt gib mir auf folgende allgemeine Frage ein entſchiedenes Ja oder Nein: wen wir begierig nach etwas nennen, werden wir von dem zugeben, daß er nach allem, was unter deſſen Begriff gehört, begierig iſt, oder nur nach manchem an ihm und nach manchem nicht?— Nach allem.— Nicht wahr, dem⸗ nach werden wir auch von dem Weisheitsbegierigen oder Philo⸗ ſophen zugeben müſſen, daß er nicht bloß nach mancher Wahrheit begierig iſt und nach mancher nicht ſondern nach aller und jeder Wahrheit?— Wahr. — Wer demnach bei der Wahl der Studien gar zu ekel iſt, zumal wenn er noch jung iſt und über das wahrhaft Nützliche und Nichtnützliche noch kein vernünftiges Urtheil hat, den werden wir nicht als einen wahrhaft Wißbegierigen und als einen nach Weisheit Hungernden bezeichnen, gerade wie wir auch von dem hinſichtlich der Speiſen Wähleriſchen ſagen, daß er nicht hungere, daß er nicht nach Speiſen begierig, und daß er kein Freund vom Eſſen ſei; vielmehr er ſei ein ekliger Eſſer.— Und ganz mit Grund werden wir ihm dieſe Bezeichnung geben.— Wer aber von allem⸗ was es zu lernen gibt, verkoſten möchte, mit Liebe an das Lernen geht und darin unerſättlich iſt, den werden wir mit Recht einen wahrhaft wißbegierigen oder philo⸗ ſophiſchen Kopf nennen, nicht wahr?— Darauf erwiderte Glauco: nach dieſer Definition wirſt du gar viele wunderliche Leute darunter bekommen: erſtlich alle ſchauluſtigen Menſchen, weil die auch ihre Freude daran haben, wo es etwas zu erfahren und zu lernen gibt; zweitens ſind doch alle hörluſtigen Neuigkeitsjäger zu abgeſchmackt, als daß man ſie unter die Philoſophen rechnen könnte, ſie, welche zwar zu gründlich wiſſenſchaftlichen Vorträgen und einer ähnlichen Converſation aus eigenem Antriebe zu gehen keine Luſt haben, dagegen bei allen Baccchus⸗Feſten*) herumlaufen und weder bei denen in der Stadt noch bei denen auf dem Lande fehlen, um alle Chorgeſänge zu hören, als hätten ſie dazu ihre Ohren vermiethet. Sollen wir nun deiner Definition zufolge alle die und noch andre nach derartigen Dingen wißbegierigen Leute und gar die Lernbegierigen in den gemeinen Hand⸗ werken Philoſophen nennen?— Keineswegs, ſondern nur Neu gierige.**)— *) S. Lübker’s Reallexicon des klaſſ. Alterth. u. d. W. Dionyſos.
*) Im Original ſteht wörtlich:„den Philoſophen Aehnliche“— Der von allem Schulſtolze ferne P. räumt auch dem denkenden Handwerker ſowie dem Neugierigen das Charactriſtiſche des


