— 113—. bringen, um ſie als Weihgeſchenke darin aufzuhängen,*) beſonders nicht in die der Griechen, wofern unſrem Staate etwas an dem Wohlwollen(471) der übrigen Griechen gelegen iſt.— Und daran muß ihm ſehr viel liegen.— Aber auch aus einem noch wichtigeren Grunde werden wir dies nicht thun, nämlich aus Furcht, es möchten ſolche den eignen Landsleuten abgenommenen Waffen eine Verunreinigung in das Heiligthum bringen, es müßte denn darüber das Orakel**) einen andren Beſcheid geben.— Lauter begründete Verordnungen.— Ferner, wie werden in Betreff der Verwüſtung des griechiſchen Landes und der Anzündung der Wohnungen deine Krieger gegen die Feinde verfahren?***)— Ich würde gerne dich deine Anſicht hierüber äußern hören.— Nach meiner Anſicht denn nun ſollen ſie keines von beiden thun, ſondern nur die Ernte des Jahres wegnehmen †), und ſoll ich dir ſagen, aus welchen Gründen?— Ja wohl. — Wie es zwei Namen gibt: Krieg und Zwiſt, ſo ſcheint es mir auch dafür zwei Begriffe zu geben, welche ſich auf zwei ganz verſchiedene Streitigkeiten beziehen; unter den zwei Begriffen verſtehe ich einerſeits den des Bluts⸗ und Stammverwandten, andrerſeits den des Fremdlings und Ausländers. Für die Feindſchaft gegen einen Verwandten gilt der Name Zwiſt, für die gegen einen Fremdling der des Krieges.— Und da drückſt du dich auch gar nicht gegen die herkömmliche Weiſe ††) aus.— So ſieh denn nun zu, ob auch folgende darauf ſich gründende Behauptung nach der herkömmlichen Weiſe lautet: ich behaupte nämlich, daß die griechiſche Nation unter ſich ſelbſt bluts⸗ und ſtammverwandt aber mit der nichtgriechiſchen Welt im Verhältniſſe der Fremde und des Auslandes ſteht.— Eine ganz humane Behauptung.— Wenn alſo Griechen mit Nichtgriechen und Nichtgriechen mit Griechen kämpfen, ſo werden wir den Ausdruck brauchen, daß ſie kriegen und von Geburt aus ſich kriegsfeindlich ſind, und dieſe Feindſchaft muß man Krieg nennen; wenn aber Griechen mit Griechen zu einem ſolchen Bruderkampfe ſich ver⸗ irren, ſo werden wir dann ſagen, daß ſie zwar von Natur Freunde ſeien, daß aber
*) Wiederum eine ſpartaniſche Einrichtung. Bei den andern Griechen war es Gebrauch, daß der zehnte Theil der Beute den Göttern verehrt und oft auch die Rüſtung des Feindes in den Tem⸗ peln aufgehängt wurde. Nur den Spartanern war dieſes wiederum verboten. Bekannt iſt darüber die Antwort des Kleomenes.
**) D. h die höchſte religiöſe Behörde im Staate. 10
***) Jeder Krieg des Alterthums war mehr oder minder ein Verheerungskrieg. In jener Zeit
beſtand der Hauptſchaden, den man dem Feinde zufügen lonnte, darin, daß man die Früchte und Bäume abhieb und die Häuſer anſteckte. 7 r†) Zur nothwendigen Ernährung des Heeres; denn Ariegs⸗ Magazine kannte man damals nicht. †r) Der Krieg mit den Barbaren hieß? 10144008, der mit Griechen grdας, das war her⸗ kömmliche Sitte; aber daß die verſchiedenen griech. Stämme ſich als bluts⸗ und ſtammverwandt angeſehen hätten, das war dort eben ſo wenig herkömmlich als in Deutſchland. Deſſen muß man ſich erinnern, um die unvergleichliche ſocratiſche Ironie in dem Folgenden zu verſtehen. 8
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