Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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mung aufgeſtellt worden, daß einem ſolchen Tapferen mehr Heirathsgelegenheiten zu Gebote ſtehen und häufigere derartige Wahlen mit Uebergehung andrer auf ihn fallen ſollen, damit von ihm eine möglichſt zahlreiche Nachkommenſchaft gewonnen werde. Ja, die haben wir ſchon aufgeſtellt.

15. Aber nicht bloß nach Vernunftgründen ſondern auch ſchon in Folge der Auctorität Homer's iſt es recht und billig, alle jungen Männer, welche ſich durch ihre Bravheit ausgezeichnet haben, mit ſolchen Auszeichnungen zu ehren. Denn Homer ſagt auch von Ajas*), daß er nach ſeinen rühmlichen Thaten im Kriege mit einemlangausreichenden Rückenſtücke als Ehrengeſchenk beehrt worden ſei, und will damit ſagen, daß dies für den jugendlichen und tapferen Mann die ſchick⸗ lichſte Auszeichnung wäre, weil er dadurch außer der Ehrenbezeugung auch ſeine Stärke vermehre. Von Homer ganz vernünftige Anſichten! Wir wollen alſo wenigſtens in dieſen Anſichten der Auctorität des Homer folgen. Auch wir wollen nämlich bei Feſtſchmäuſen und allen ähnlichen Veranlaſſungen der Art die Braven je nach dem Grade ihrer Auszeichnung nicht nur durch Lobgeſänge und die eben erwähnten Decorationen ſondern auch außerdem durch die erſten Plätze, durch reich⸗ lichere Fleiſch⸗Portionen ehren**), damit wir neben der Ehrenbezeugung die braven Männer und Frauen auch noch körperlich ſtärken. Ganz hübſche Anſichten! Doch hievon genug! was nun ferner die im Felde Gebliebenen betrifft, werden wir da nicht von einem, welcher den Tod des Ruhmes geſtorben iſt, erſtlich erklären, daß er zum Stande mit goldenen Seelen***) gehört? Ja im allerhöchſten Range. Werden wir außerdem nicht zweitens dem Heſiod) glauben, von den Ver⸗ ſtorbenen aus dieſem Geſchlechte(469)

Würden einige dann die heiligen Engel der Erde,

Hilfreich, Schützer vor Weh', der ſterblichen Menſchen Behüter? Ja das wollen wir. Wir werden alſo das Orakel befragen, auf welche Weiſe und mit welcher Auszeichnung man überirdiſche und göttliche Menſchen beiſetzen müſſe, und ſie dann auch nach ſeiner Anweiſung beiſetzen. Das wollen wir gewiß. Und weil es überirdiſche Weſen ſind, ſo werden wir natürlich auch die künftige Zeit ihre Grabmäler verehren und dieſen göttliche Ehre erweiſen laſſen. Aber alle dieſelben Ehrenbezeugungen werden wir verordnen, wenn einer vor Alter oder auf eine andre Weiſe von denen ſtirbt, welche in ihrem Leben als brave Männer erprobt worden ſind. Gerechte Folgerichtigkeit wäre es wenigſtens.

) Jlias VII, 321. *) Ilias VIII, 162. ***) S. B. III, K. 21. ) T. u W. 121.