Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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Jugend geeignet ſind. Läßt ſich erwarten. Aber da kannſt du wieder einen Einwurf machen: Auch bei aller Vorſicht ſind bekanntlich ſchon viele unvorher⸗ geſehene Unfälle begegnet. Ja ſicher. Für ſolche Unfälle, mein Lieber, müſſen wir ſie ſchon in früher Jugend beflügeln, damit ſie im Falle der Noth davon⸗ fliegen können? Wie meinſt du das? Auf die Pferde muß man ſie in ihrer frühen Jugend ſetzen, und nachdem man ſie reiten gelehrt hat, ſie auf Pferden zum Kriegsſchauplatz bringen, jedoch nicht auf zu muthigen und kampfluſtigen Roſſen ſondern auf recht ſchnellfüßigen und frommen Pferdchen. Auf dieſe Weiſe würden ſie erſtlich am bequemſten Zuſchauer ihres zukünftigen Handwerkes ſein, zweitens ſich auch im Falle der Noth unter Anleitung älterer Führer am ſicherſten retten. Die Begründung deiner Anſicht ſcheint mir richtig.(468)

4 Wie ſteht es nun hierauf, um zu einem andren Puncte zu kommen, mit den Inſtructionen für den Krieg? Wie ſollen ſich dir da die Krieger benehmen ſowohl gegen ſich ſelbſt als auch gegen die Feinde? Iſt da wohl die mir darüber vorſchwebende Anſicht die vernünftige, oder nicht? Heraus mit, was für eine es iſt! Wer von ihnen nicht in der ihm angewieſenen Waffen⸗ gattung dient oder die Waffen wegwirft oder eine ſonſtige Feigheit*) der Art begeht, ſollen wir den nicht zu irgend einem Handwerker oder zu einem Ackerbauer beſtimmen? Ja, dieſe Anordnung einmal iſt ganz vernünftig. Ferner wer als Gefangener in die Gewalt der Feinde kömmt, ſollen wir mit dem ihnen nicht ein Präſent machen und ſie mit ſolchem Fange machen laſſen was ſie wollen 2**) Ganz gewiß. Wer aber dagegen ſich auszeichnete und Ruhm erwarb, ſoll dem wohl nicht erſtlich während des Feldzuges von jedem der daran Theil nehmenden Jünglingen und Mädchen der Reihe nach ein Kranz gereicht werden dürfen oder nicht? Ich einmal ſtimme bei. Und ferner nicht auch ein Handſchlag? Auch dieſer. Aber mit folgender Decoration wirſt du wohl nicht mehr einver⸗ ſtanden ſein? Mit welcher? Mit der des Küſſens ſowie des Geküßtwerdens von jedem. Im höchſten Grade***) damit einverſtanden, und ich mache noch den Zuſatz zu dieſer Verordnung, daß niemand, den er zu küſſen wünſcht, während des Feldzuges es abſchlagen dürfe, damit er auch deſto ſtärker angefeuert werde, jene Decorationen davonzutragen, falls einer einen ſchönen Freund oder eine ſchöne Freundin hat. Ein ſchöner Zuſatz das! Uebrigens iſt bereits ſchon die Beſtim⸗

) Ueber dieſe und andre den Kriegsdienſt der Bürger betreffende Vergehen, welche zu Athen ent⸗ weder mit der Atimie oder dem Tode beſtraft wurden, ſ. Wachsmuth's H. A. II, 1, S. 178 u. 265. ) Die Gefangenen wurden bei den Griechen entweder zum Vortheile der Staatskaſſe gegen ein Lbſegeld zurückgegeben, oder als Selaven verkauft. Die hier von P. deshalb gegebene Verordnung war übrigens zu Sparta und in der guten Zeit auch zu Rom practiſch. ***½) Vrgl. zur Charactriſierung des Glauco hiemit unten den Anfang des K. 19.