Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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Anlage des menſchlichen Individuums offenbar in noch kleinere und mithin ſchwächere Kräfte zertheilt, als in Bezug auf das Verrichten jener Geſchäfte ſelbſt, von welchen eben die Nachahmungen, ſogar khufllch Sengbild nnen Kind*). Ja ganz Wahre

8. Wenn wir alſo lcgen erſage Grundſat 8) hlgerscht uufteht halten ualene daß nämlich unſere Staatswächter mit Unterlaſſung aller anderen Künſte nur xrecht ſorgſame Künſtler an der Unabhängigkeit des Staates ſein und ſonſt, nichts treiben ſollen, was nicht zu dieſem Zwecke beiträgt: ſo dürfen wir ſie ſonſt gar nichts treiben und auch nicht nachahmen laſſen; falls ſie aber ſich mit Nachahmen abgeben wollten, ſo ſollen ſie die für ſolche junge Leute ſchicklichen Charactere von⸗ Jugend auf nachahmen, nämlich die von ſtarken, beſonnenen, frommen und unab⸗ hängigen Männern und alle dergleichen Tugenden. Die Handlungen gemeiner Leute aber, oder eine ſonſtige unſittlichkeit ſollen ſie weder treiben noch Meiſter, werden in der Nachahmung derſelben, aus dem Grunde, damit ſie nicht mit der Nachahmung die Wirklichkeit annehmen***). Oder haſt du nicht wahrgenommen, daß die Nachahmungen, wenn ſie von Jugend an immer fortgeſetzt werden, zur Gewohnheit und Natur werden nicht nur in Bezug auf Körper und Stimme, ſondern auch in Bezug auf Denkart des Geiſtes? Ja häufig.Wir werden alſo denen, welche uns als unſere Zöglinge am Herzen liegen und tüchtige Männer werden ſollen, nicht erlauben, daß ſie, die Männer ſind, durch Nachahmung ein⸗ Weib vorſtellen, ſei es ein junges oder ein altes, ſei es eines, das auf ihren Mann ſchimpft oder im Wahn ihrer Glückſeligkeit mit den Göttern ſich zankt und ihnen gleichſtellt, oder eines in Unglück, Trauer und Thränen; geſchweige ein krankes gar oder verliebtes oder gebährendes). Nein, das einmal werden wir nicht erlauben. ⸗Auch doch nicht, daß ſie Dienerinnen und Bedienten nachahmen durch Verrichtung ihrer Geſchäfte. Auch das nicht. Ferner doch auch ſelbſtverſtändlich nicht Männer, die ſchlecht ſind, nämlich Feiglinge und ſolche, die das Gegentheil der ») a. F. Hermann erklärt dieſe Stelle Stallbaum gegenüber richtig alſo: So ſchwer es bei der Verſchiedenheit der individuellen Anlagen auch ſein mag, daß der nämliche Menſch zwei verſchiedene Geſchäfte wirklich treibe, ſo ſind doch zur Nachahmung dieſer die Anlagen wo moͤglich noch getheilter, alſo die Unmöglichkeit, Vieles gut nachzuahmen, wo möglich noch größer als dort. 31 r

*4*) Beim Aufſtellen des gerechten Staates als Gegenſtückes zu dem gerechten Menſchen. 4 2**) Ein deutlicher Wink für alle, welche durch Kinder⸗ Theater die Jugend zu bilden meinen.

*) Kein ehrbares Frauenzimmer durfte in Folge der Sitte Athens auf der Bühne auftreten, und weil man ein andres wegen des religiöſen und ſittlichen Characters des alten Theaters nicht ver⸗ wenden wollte: ſo mußten alle Frauenrollen von Männern gegeben werden. Hier, wo zunächſt von der Tragödie die Rede iſt, hat Plato beſtimmte weibliche Charactere im Auge, wie Clytemneſtra, Niobe, Hecuba ꝛc. Im nachfolgenden iſt offenbar mehr die Darſtellung der Komödie gemeint, in welcher das damals Febanrenloſe Wabinha die bloß nachäffenden Rolleg enest zu haben 1iSeint, wie das heutige. 2