gangener oder gegenwärtiger oder zukünftiger Dinge.— Was denn ſonſt?— Bewerkſtelligen ſie nun dieſe nicht entweder durch eine einfache Erzählung, oder durch eine mittels Nachahmung, oder durch beide Erzählungsweiſen?— Auch dies muß ich noch deutlicher faſſen.— Ich bin wohl ein ſpaßhafter und unklarer Lehrmeiſter; daher will gerade wie die Leute, welche ſich nicht in allge⸗ meinen Sätzen ausdrücken können, nicht in einem allgemeinen Begriffe ſondern durch Hervorhebung eines einzelen Falles dir an dieſem deutlich zu machen verſuchen, was ich will. Und da gib mir einmal Antwort auf meine Fragen: kennſt du die An⸗ fänge der Iliade, in welchen der Dichter erzählt, der Chryſes habe den Agamemnon gebeten, ſeine Tochter loszulaſſen, darüber ſei dieſer in Zorn gerathen; jener habe darauf, als er ſein Ziel nicht erreichte,(393) den Gott um Unheil gegen die Achäer angefleht?— Ja das weiß ich.— Du dbeißt demnach, daß bis zu dieſen Verſen:*) *„und er flehete allen Achäern, „Aber zumeiſt den Atriden, den zwei Kriegsfürſten der Völker,“
zuerſt der Dichter ſelbſt erzählt und auch gar nicht verſucht, unſerer Vorſtellung eine andere Richtung zu geben, als wäre der Vortragende ein andrer als er ſelbſt; aber in den darauf folgenden Verſen erzählt er, als wenn er ſelbſt der Chryſes wäre, und ſucht uns möglichſt in die Meinung zu verſetzen, nicht Homer ſcheine der Redende zu ſein, ſondern der alte Prieſter. Und ſo hat er überhaupt faſt alle übrige Erzählung ſowohl der Erlebniſſe vor Ilium als der auf Ithaka und in der ganzen Odyſſee poetiſch dargeſtellt.— Ja, das einmal iſt ganz richtig.— Nicht wahr, Erzählung einmal iſt's, wenn er erſtlich die eigenen Worte der jedes⸗ maligen Perſonen vorträgt, und dann auch, wenn er Worte dazwiſchen ſpricht? — Freilich.— Aber in dem Falle, wenn er als fremde Perſon einen Vortrag hält, werden wir wohl zugeben, daß er ſeinen eigenen Vortrag jenem ſo ſehr l möglich nachbildet, welchen er als Redenden einführt?— Ja das können wir.— Sich nun einem andren nachbilden entweder in der Stimme oder in der Geſtalt, nicht wahr, das heißt denjenigen, welchen man nachbildet, nachahmen?— Was denn ſonſt?— In ſolchem Falle alſo bewirken nun, verſtehſt du nun wohl, dieſer und die übrigen Dichter die Erzählung mittels Nachahmung?— Ja dies einmal verſteh' ich nun ganz wohl.— In dem andren Falle, wenn der Dichter ſeine Perſon nirgend verbergen würde, ſo würde ſeine ganze Poeſie und Erzählung ohne Nachahmung entſtanden ſein. Damit du aber nicht ſageſt du begriffeſt auch bei dieſem andren Falle nicht, wie es dabei zugehe: ſo will ich dir es durch ein Beiſpiel erklären. Wenn nämlich Homer nach dem Berichte, daß
*) Ilias I, 15 ff.


