Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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welt zu führen iſt, das iſt abgemacht. Ja das ganz gewiß. Nicht wahr, da wäre nun der Abſchnitt über menſchliches Thun uund Laſſen noch übrig.*) Offenbar natürlich. Da befinden wir uns, mein Lieber, nun in der ſelbſtver⸗ ſtändlichen Unmöglichkeit, über dieſen Punkt eine Beſtimmung zu treffen. Wie ſo? Weil wir uns vermuthlich ausſprechen würden, daß herkömmlich Dichter ſowohl als Proſaiker die ſchlechteſten Anſichten über die wichtigſten Angelegenheiten der Menſchheit äußerten, wie nämlich da viele zwar ungerecht aber glückſelig ſeien, Gerechte aber unglücklich ſeien; ferner wie Unrechtthun vortheilhaft ſei, falls man ſich nicht erwiſchen laſſe; wie die Gerechtigkeit zwar das Beſte eines andren, aber den eigenen Schaden erziele. Und da müßten wir vermuthlich verbieten, ſolche Moral zu lehren, und anempfehlen, grade das Gegentheil hievon zu ſingen und zu fabeln; oder vermutheſt du das nicht? Das einmal merk ich ſchon recht gut. Nicht wahr, wenn du mir beigeſtimmt haben würdeſt, daß ich Recht hätte, ſo könnte ich dann ſagen, du ſeieſt in der Hauptfrage,**) deren Beantwortung uns ſchon lange beſchäftigt, mit mir völlig einverſtanden. Eine richtige Vermuthung. Daß alſo über Menſchen nur Anſichten beſagten Inhaltes vorgetragen werden dürfen, darüber wollen wir uns dann erſt einigen, wenn wir gefunden haben wer⸗ den, was das Weſen der Gerchtigkeit iſt, ſowie daß ſie für ihren Beſitzer vermöge der urſprünglichen Welteinrichtung vortheilhaft iſt, mag er nun den äußeren Schein eines Gerechten haben oder nicht. Ganz richtige Bemerkungen.

97 6. Die Beſtimmungen alſo einerſeits über den Inhalt der Literatur oder der Bildungsmittel durch die Sprache mögen hier ihr Bewenden haben, aber die über die Form der Ausdrucksweiſe müſſen wir noch in Erwägung ziehen, und hernach werden von uns ſowohl Inhalt als Form unterſucht ſein. Da erwiederte Adimantus: ich begreife nicht, was du unter letzterer verſteheſt. Aber, verſetzte ich, das iſt doch unbedingt nothwendig; vielleicht wirſt du es daher auf folgende Weiſe beſſer verſtehen; ſind denn nicht alle Geſchichten, welche von Fabellehrern oder Dichtern vorgetragen werden, eine Darſtellung entweder ver⸗

Weſen erhobene Menſchen. In dem Chore der Dämonen äußerte ſich das Göttliche in der Schöpfung, und zwar abwärts bis in das Niedere und Gemeine, ja Häßliche, z. B. bei den Satyrn. Daher kömmt es, daß Dämon oft als Ausdruck für die im Materiellen erſcheinende Idee gebraucht wird. Vrgl. Aſt's Ueberſetzung des Gaſtmahles S. 28 und die Anmerkung dazu. Bei den H exoen erhob ſich wie bei den chriſtlichen Heiligen, nur auf eine andere Weiſe, der in der menſchlichen Natur vorhandene dämoniſche Funke aufwärts zur Höhe der Götter. Daher zu erklären, warum die meiſten Heroen, obgleich ſie urſprünglich auf menſchlicher Baſis ſtanden, höher erſcheinen als viele Dämonen. Vrgl. Wachsmuth's H. A. II, 2, S. 100 ff.

*) Ueber die Gerechtigkeit, die vierte und größte Cardinal⸗Tugend.

**) Daß die Gerechtigkeit zu lieben und zu üben iſt ohne alle Rückſicht auf Belohnung, ſowie daß ihr Gegentheil zu meiden iſt ohne alle Rückſicht auf Strafe. Vrgl. B. II, Kap, 9 u. 10.