Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

krankheiten gelitten habe: einerſeits an Niederträchtigkeit mit Habſucht, andrerſeits an Uebermuth gegen Ghtter and Manſchen Eins Lar wernünhe tig gegründete Bemerkung. 1 1

5. Demzufolge dürfen wir alſo j ja nicht folgenda Gechichten glauben, auch nicht erzählen, daß nämlich Theſeus, der Sohn des Poſeidon, und Perithous, der des Zeus, auf ſo frevelhafte Frauen⸗Räubereien*) ausgegangen ſeien, noch daß ſonſt ein andrer Götterſohn und Halbgott frevelhafte und ruchloſe Thaten verübt hätte, dergleichen man jetzt ihnen nachlügt. Laß uns die Dichter vielmehr dazu anhalten, daß ſie entweder ſelbige Werke nicht für die dieſer Halbgötter, oder dieſe nicht für Gotterſöhne ausgeben, beides aber nie zuſammen in ihren Er⸗ zählungen berichten; ferner daß ſie unſere Zöglinge nicht weiß machen, Götter könnten eine böſe Nachkommenſchaft haben, und Halbgötter wären um nichts beſſer, als Menſchen. Denn wie wir vorhin ſchon nachwieſen, dergleichen Geſchichten ſind weder religiös erbaulich, noch wahr. Das letztere betreffend, ſo haben wir ja darüber ſchon den Beweis geliefert, daß von Göttern unmöglich böſe Thaten ihren Urſprung nehmen können.**) Allerdings. Und eben ſo ſind jene Geſchichten den Zuhörern religiös verderblich; denn ein jeder wird ſich aus ſeiner Schlechtigkeit kein Gewiſſen machen, wenn er die Ueberzeugung hat, daß ja Aehnliches thun und thaten

e Gönen jüngſte Saat Dem Zeus Verwandte, denen auf des Ida Höhn Des väterlichen Zeus Altar im Aether ſteht, »und welchen Götterblut noch in den Adern xinnt.*) 24 1

Aus dieſen Gründen müſſen wir dieſen Fabeln ein Ende machen, dagrit ſe unſeren jungen Zöglingen keinen großen Leichtſinn zur Schlechtigkeit einpflanzen (392) Ja ganz und gar.

Was für ein Abſchnitt von Literatur he lerach lich en Bildungsmitteln, fuhr ich hier fort, wäre bei unſerer Beſtimmung, welche vorgetragen werden dürften und welche nicht, nunmehr noch übrig? Denn welche Sprache in Bezug auf Götter, auf Dämonen und Halbgötter) ſowie auf das Reich der Unter⸗

*) Der Helena und Perſephone. Es wird hier auf eine verloren gegangene Tragödie angeſpielt.

**) Vergl. Bch. II, Kap. 18. Ete I1

***) Auch aus einer verlorenen Tragödie.

*vO) Dieſe drei Arten von göttlichen Weſen unterſcheidet Plats. wenn er ſich dem Spraghgehrauche der griechiſchen Volksreligion bequemt. Vergl. Geſetze IV, 8. Bei ſolcher unterſcheidung werden zu den Göttern(d40ʃ) gewöhnlich nur die Mitglieder des olympiſchen Götterſenates gerechnet; zu den Dämonen, den Göttern in der weiteſten Bedeutung, gehören die uralten Landſchafts⸗ und Ortsgötter, die als göttliche Weſen gedachten Naturkräfte, die Fluß⸗, Berg⸗ und Waldgötter u. dgl.z die Heroen oder Halbgötter endlich waren wegen ihrer perſönlichen Treffſichkeit zu göttlichen