Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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Ja ſolches einmal ſollen ſie durchaus hören und ſehen. Ferner darf man die jungen Mänuer auch nicht beſtechlich werden laſſen, auch nicht geldgierig. Keineswegs. Daher darf man ihnen auch nicht vorſingen laſſen, wie

7,Götter gewinnt ein Geſchenk, ein Geſchenk hochwürdige Herrſcher.*)

Ferner darf man es auch nicht an dem Phönix, dem Erzieher des Achilles, loben, als gebe er eine moraliſche Lehre, wenn er ihm den Rath gibt,**) nach Empfang von Geſchenken zwar den Achäern beizuſtehen, ohne Geſchenke aber von ſeinem Zorn nicht abzulaſſen; auch des Achilles ſelbſt werden wir es nicht für wür⸗ dig halten, noch darum ihm unſeren Beifall geben, wenn er ſo habſüchtig iſt, daß er von Agamemnon Geſchenke annimmt; wenn er ferner nur um ein Löſegeld einen Leichnam***) losgeben will(391), anders aber nicht. Wäre ja vor der Welt nicht erlaubt, ſolche Handlungen zu loben. Des Homer willen nur nehme ich Anſtand zu ſagen: auch vor Gott iſt es nicht erlaubt, ſolche Handlungen dem Achilles nachzuſagen und auf die Berichte anderer zu glauben; ferner nicht erlaubt wiederum zu ſagen, daß Achilles gegen Apollo die Worte ausgeſtoßen:)

O des Betrugs! Ferntreffer, verderblichſter unter den Göttern,

Traun, ich rächte mich gern, wenn genug der Stärke mir wäre! daß er ſich gegen den Flußbeherrſcher, einen Gott, ungehorſam und kampſbereit zeigte, ††) daß er ein andermal von ſeinen ſchon einem andren Gott, dem Sperchius, geweihten Haaren ſagte: ††) 1

Laß mich das Haar mitgeben dem tapferen Helden Patroclus,

ihm, der doch todt war, und daß er ſolche Handlung verübt habe, was nicht zu glauben iſt; endlich hinwiederum die Schleifung des Hector um das Grabmal des Patroclus*) und das Schlachten der Gefangenen als Opfer für deſſen Scheiter⸗ haufen, von allen dieſen Geſchichten werden wir ſagen, daß ſie ſämmtlich keine wahre Darſtellungen ſind; auch werden wir unſere Zöglinge nicht glauben laſſen, Achilles, der Sohn einer Göttin und des Peleus, des beſonnenſten und im dritten Grade von Zeus abſtammenden Mannes, und der Zögling des ſehr weiſen Chiron ſei ſo unheilvollen Geiſtes geweſen, daß er an zwei ganz entgegengeſetzten Geiſtes⸗

*) Wird dem Heſiod zugeſchrieben. **) Ilias IX, 513 ff. ***) Den des Hector nach Ilias XXIV, 592 ff. 1) In Jlias XXII, 15 und 20 redet ſo Achilles den Apollo an, der ihn an der Verfolgung der Trojer hindert. †r) Gegen Skamander nach Ilias XXI, 222 ff. ) Ilias XXIII, 151. Dem theſſaliſchen Flußgott Sperchius gelobte Peleus die Locken ſeines Sohnes, wenn dieſer glücklich zurückkehren würde. 1.) Jlias XXII, 395 ff.