Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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Wehe doch, einen befreundeten Mann, umhergejagt um die Mauern, Seh' ich dort mit den Augen, und ach ſein jammert mich herzlich;*) ferner: 19 Wehe mir, wenn das Geſchick Sarpedon, meinen Geliebten, Irsn Unter Patroclus Hand, des Menoitiaden, mir bändigt.**)

3. Wenn uns ja, lieber Adimantus, die künftigen Staatswächter ſolches Zeug in der Jugend anhörten und wenn ſie es nicht als unſchickliche Dichterſagen verlachten: ſo würde ſchwerlich einer, da er ja nur ein Menſch iſt, ſolches Gebahren unter ſeiner Würde halten und ſich ein Gewiſſen daraus machen, falls auch er einmal in die Verſuchung käme, ſolche Worte und Handlungen ſich zu erlauben; im Gegentheil ohne alle Scham und Zurückhaltung würde er bei den kleinſten Leiden Klage⸗ und Trauerlieder herleiern. Ganz richtige Bemerkungen. Das darf nun aber gar keiner davon, wie uns eben unſer logiſcher Beweis zeigte, und dieſem müſſen wir unbedingt folgen, bis uns jemand mit einem bündigeren überzeugen kann. Ja freilich darf dies keiner hiernach. Aber auch nicht lachluſtig ſoll einer ſein; denn wenn er ſich heftigem Lachen überläßt, ſo iſt ſo etwas auch eine Ver⸗ ſuchung zu einer großen Character⸗Veränderung. Scheint mir. Sonach darf man es ſchon nicht gelten laſſen, wenn jemand ordentliche Me nſchen in der Dichtung vom Lachen überwältigen laſſen ſollte(389), noch viel weniger aber, wenn er es bei Göttern thäte. Viel weniger freilich. Demnach dürfen wir dem Homer auch ſolche Worte lin Bezug auf die Götter nicht gelten laſſen), 75

wie: Unauslöſchliches Lachen erſcholl den ſeligen Göttern,

Als ſie ſah'n, wie Hephäſtus in emſiger Eil umhergieng 5) nicht gelten laſſen nach deinem eigenen logiſchen Beweiſe. Dafern es dir beliebt, ihn für den meinigen auszugeben, wäre zu widerſprechen; doch ihm zufolge darf man es offenbar nicht.

Ferner die Tugend der Wahrhaftigkeit*) betreffend, ſo müſſen wir dieſe bei unſerer Erziehung auch ſehr hoch anſchlagen. War unſere vorhi⸗ nige Behauptung richtig, nach welcher in Wahrheit Göttern Täuſchung unnütz, Menſchen aber nur in Form einer Arznei nützlich war: ſo iſt offenbar, daß man ſolches Geſchäft nur den Aerzten übertragen darf, von Laien aber nicht anzurühren iſt. Ja offenbar. Wenn alſo irgend welche von der Täuſchung Gebrauch machen dürfen, ſo dürfen es alſo nur die Obrigkeiten des Staates gegen

*) Worte des Zeus in Ilias XXII, 168 f.

**) Desgleichen in Ilias XVI, 433 f.

**) Die eingeklammerten Worte halte ich mit K. F. Hermann für fingeſchoden. ) Ilias 1, 599 f.

†t) Eine weitere Cardinal⸗Tugend.