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trägliche, ſondern das ſeines Untergebenen zu bezwecken. Darum würde jeder Ver⸗ nünftige es vorziehen, von einem andern ſich Vortheil bringen zu laſſen, als ihn andern zu bringen mit Zuziehung von vielerlei Unannehmlichkeiten. Was alſo den erſten Theil der Lehre des Thraſymachus betrifft, nämlich daß das Gerechte das dem Gewaltigeren Zuträgliche ſei, ſo kann ich ihm auf keine Weiſe beitreten. Indeſſen wollen wir doch nachher noch einmal darauf zurückkommen). Viel wichtiger aber iſt der zweite, nämlich die eben von ihm ausgeſprochene Be⸗ hauptung, daß das Leben des Ungerechten vorzüglicher ſei, als das des Gerechten. Zu welcher Seite nun, fragte ich den Glauco, fühlſt du vich angezogen? und welche von beiden Anſichten ſcheint dir mehr Wahrheit für ſich zu haben?— Die, antwortete er, daß das Leben des Gerechten vortheilhafter iſt.— Haſt du denn eben alle die Vortheile gehört, verſetzte ich,(348) welche an dem Leben des Ungerechten Thraſymachus aufgezählt hat?— Ja ich habe ſie gehört, aber laſſe mich nicht von meinem Glauben abbringen.— Wünſcheſt du alſo, daß wir ihm, falls es uns thunlich iſt, die Ueberzeugung beibringen, daß er nicht die Wahr⸗ heit behauptet?— Warum ſollte ich es nicht wünſchen? antwortete er.— Wenn wir nun, ſagte ich, ſeiner Rede eine andere Punct für Punct**) dagegen ſtellen und aufzählen wollten, wie viele Güter andrerſeits das Gerechtſein mit ſich bringt, und dann er wieder eine, und wir wiederum eine andere: ſo müßte man die Güter beiderſeits jedesmal zählen und abwägen, und wir würden die Entſcheidung irgend welcher Richter von Nöthen haben. Wenn wir aber, wie bisher, die Sache betrachten, indem wir uns mittels Angabe der Gründe wechſelſeitig einverſtändigen: ſo könnten wir ſelbſt ſowohl Schiedsrichter, als Sachführer ſein.— Freilich ja, ſagte er.— Welcher von beiden Wegen, fuhr ich fort, beliebt dir nun?— Der letztere, ſagte er.— 20. So komme denn, begann ich, o Thraſymachus, und antworte gefälligſt uns von neuem. Möchteſt du noch behaupten, daß die Meiſterſchaft in der Ungerech⸗ tigkeit vortheilhafter ſei, als die in der Gerechtigkeit?— Ja das einmal behaupte ich, ſagte er, und weshalb, davon liegen die Gründe vor!— Wohlan denn! wie drückſt du dich denn hierin in Beziehung auf dieſelbe aus? Du nennſt doch die eine von ihnen Tugend, die andere Schlechtigkeit?— Warum denn nicht?— Nicht wahr, die Gerechtigkeit Tugend, die Ungerechtigkeit Sehlecnclekt.— de auerieb 4 5
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*) Vergl. unten Kap. 24, wo ſich freilich herausſtellt, daß die oasäun⸗ etwas Aenauae ſei, aber in einem ganz andren Sinne, als wie es der Sophiſt verſteht.
**) Die Worte Loyo* ndοα 16y» kann ich nicht mit Stallbaum als eine bloße Er⸗ läuterung des Vorhergehenden anſehen, ſondern ich beziehe ſie auf die von Thraſymachus angegebenen verſchiedenen Verhältniſſe, worin der Ungerechte immer vathalhaiten n beſhwdehe als der eeircht Fiein überſetzt die Worte comparatione quadam instituta. i in 1 1 3


