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„dreimal vier, oder ſechsmal zwei, oder viermal drei, denn denke nicht, daß ich es „dir hingehen laſſen werde, wenn du dergleichen ſaalbaderſt,“— adu kannſt, ſag' ich, dann vermuthlich wohl wiſſen, daß dir niemand auf dieſe Frage antworten würde. Aber wenn er nun zu dir ſagte:„o Thraſymachus, wie meinſt du das? Soll ich⸗ ‚keine von den Beſtimmungen in der Antwort vorbringen, welche du eben erſt nann⸗ „teſt? Wie, o Wundermann? ſelbſt dann nicht eine von ihnen vorbringen, wenn „ſie die wahre wäre, ſondern nur eine ſolche, die von der Wahrheit ganz entfernt iſt? Oder wie meinſt du?“ Was würdeſt du ihm wohl hierauf antworten?— Ei herrlich! ſagte erz wie doch dies Beiſpiel zum vorigen paßt!— Hindert nichts, verſetzte ich. Wenn es nun auch nicht paſſend wäre, aber doch dem, welchem du deine Frage vorlegteſt, paſſend ſchiene: glaubſt du, daß er ſich ſcheuen würde, es in ſeiner Antwort auszuſprechen, möchten wir es ihm nun verſagen,(oder nicht?— Nicht wahr, ſagte er, ſo willſt du es demnach auch ſo machen? Du willſt mir eine von denen Antworten geben, die ich dir verboten habe?— Das wäre gar kein Wun⸗ der, wenn ich es nach reifer Ueberlegung ſo für gut hielte.— Wie aber dann, ſagte er, wenn ich eine ganz andere Definition über die Gerechtigkeit zum Beſten gebe, welche von allen jenen ganz verſchieden und beſſer iſt? Was ſoll dir dann wider⸗ fahren?— Was anders, ſagte ich, als was einem, der ſie nicht weiß, zu wider⸗ fahren gebührt; es gebührt ihm aber wohl das Erfahren von dem Wiſſenden. Und dies nun möge mir denn auch widerfahren!— Ei, wie lieb, ſagte er; ſelbſtverſtänd⸗ lich mußt du nebſtdem auch noch ein Honorar bezahlen.— Ja doch, wann ich es haben werde, gab ich zur Antwort.— Das wird ſchon da ſein, ſiel Glauco ein; was das Geld anlangt, o Thraſymachus, ſo ſchreite nur zu deinem Vortrage, denn wir alle wollen dem Socrates beiſteuern.— Ja freilich, das glaube ich, ſagte er, damit Socrates ſeine Gewohnheit durchſetzen möge, nämlich damit er ſelbſt nicht antworte, und wenn ein anderer antwortet, das Wort nehmen und widerlegen kann! Wie könnte denn, ſagte ich, o Beſter, jemand antworten, der es erſtlich nicht kann, noch etwas zu wiſſen vorgibt; zweitens wenn er auch über den vorgelegten Gegen⸗ ſtand etwas zu wiſſen meint, von einem Manne, dem der Arm nicht angewachſen iſt, das Verbot erhalten hat, eine von ſeinen Meinungen auszuſprechen? Darum iſt es weit billiger, daß du redeſt; denn du behaupteſt ja(338) ſowohl etwas zu wiſſen als auch es vortragen zu können. Verſage es uns alſo nicht, ſondern thue mir einen Gefallen mit deiner Definition, und auch dem Glauco da und den übrigen ver⸗ weigere nicht die Gunſt, ſie dadurch zu belehren. 12. Nach dieſer meiner Erklärung baten ihn Glauco lund die brigen, mein Geſuch doch nicht jabzuſchlagen. Obgleich es nun offenbarn war, daß Thraſymachus gax ſehr Luſt hatte, einen Vottrag zu halte um h in graßts Anſehen zu
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