Aufsatz 
Das erste Buch des platonischen Gottesstaates, oder: Kritik der bisherigen einseitigen und falschen Ansichten von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit / Verdeutscht von Wilhelm Wiegand
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 14

dies behaupte ich keineswegs. Gerechtigkeit iſt demnach auch im Frieden von einigem Nutzen?(333) Ja, das iſt ſie. Auch wohl der Ackerbau, oder nicht? Ja. Natürlich zur Gewinnung der Früchte? Ja gar auch die Schuſterei? Ja. Zur Gewinnung der Fußbekleidung doch, wirſt du mir, denk' ich, einräumen? Ja wohl. Wie aber nun mit der Gerechtigkeit? Zu welchem Bedürfniſſe oder zu welchem Erwerb ſoll nun dieſe deiner Behauptung nach nützlich ſein? Zu Ge⸗ ſchäften, o Socrates. Unter Geſchäften verſtehſt du aber hier Geſchäftsver⸗ bindungen, nicht wahr? Freilich Geſchäftsverbindungen. Iſt nun der Ge⸗ rechte ein geſchickter und nützlicher Geſchäftsverbündeter beim Ziehen im Brettſpiel, oder der Brettſpieler? Der Brettſpieler. Aber um Ziegel zu legen und Steine zu ſetzen, iſt wohl der Gerechte ein nützlicherer und geſchickterer Geſchäftsverbündeter, als der Baukundige? Keineswegs. Aber zu welcher Geſchäftsverbindung iſt denn doch der Gerechte ein beſſerer Geſchäftsverbündeter, als der Zitherſpieler, ſowie der Zitherſpieler in Beziehung auf das Zitherſchlagen geſchickter iſt, als der Gerechte? In Geldſachen, glaub' ich. Mit Ausnahme des Falles wohl doch, o Pole⸗ marchus, wenn es gilt, mit dem Gelde etwas anzufangen, z. B. wann man gemein⸗ ſchaftlich ein Pferd für Geld kaufen, oder verkaufen ſollte. In dieſem Falle, glaube ich für meine Perſon, iſt es der Pferdekenner, nicht wahr? Offenbar. Ferner in Hinſicht auf das Schiff iſt es ſicherlich der Schiffsbauer oder der Steuermann? Verſteht ſich. Wenn nun mit Silber oder Gold in einem gemeinſchaftlichen Geſchäfte etwas angefangen werden ſollte, bei welchem iſt dann der Gerechte nützlicher, als die übrige Welt? Wann man es niederiegen und ſicher haben wollte, o Socrates. Nicht wahr, du meinſt, wenn man es zu nichts benutzen, ſondern müßig liegen laſſen wollte? Freilich. Wenn alſo das Geld nutzlos da liegt, dann iſt dazu das Amt der Gerechtigkeit nützlich? Kann ſo ſein. Und wenn man eine Hippe wahren und zu nichts nutzen will, dann iſt die Gerechtigkeit nützlich, ſowohl für eine Geſellſchaft, als für einen einzelnen; hinſichtlich des Nutzens aber iſt es die Winzerkunſt? Augenſcheinlich. Und dies wirſt du auch einräumen vom Schilde und von der Leyer, wenn man ſie wahren und zu nichts nützen wolle, dann ſei die Gerechtigkeit dazu brauchbar, hinſichtlich der Benutzung aber die Waffenkunde und die Muſik? Unbedingt. Und ſo auch in Bezug auf alle andere Dinge ſei die Gerechtigkeit bei der Benutzung eines jeden Dinges 4. in der Unieingfie aber nlus liche Kömmt ſo heraus. In

8. Die Gerechtigkeit wäre alſo eimmal ſchon ma diefer. Bemachumg, mein Lieber, gar nicht etwas ſo ernſtlich Beſtrebungswerthes, wenn ſie eben nur in Bezug auf unnütze Dinge nützlich iſt. Laß uns darüber aber noch folgende Betrachtung anſtellen. Nicht wahr, der Geſchickteſte zum Angriffe in einem Gefechte, ſei es nun in einem Fauſt⸗ kampfe oder in einem andern, der iſt es auch, wenn es gilt, ſich zu wahren. Ja