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Väter an ihren Kindern hängen, ſo ſind bekanntlich erſtlich aus dieſem Grunde die Erwerber für das Erworbene eingenommen, weil es ihr Werk iſt, und dann auch wegen der Brauchbarkeit desſelben im Leben, gerade wie die übrigen Leute. Sie ſind daher auch unausſtehlich in der Geſellſchaft, weil ſie nichts als den Reichthum im Munde führen wollen.— Wahrheiten redeſt du da, war ſeine Antwort.
5. Allerdings in dieſer Beziehung demnach, fuhr ich fort, aber gib mir nur noch darüber Aufſchluß was hältſt du für den größten Vortheil bei dem Beſitze deines großen Vermögens? — Was mir wohl, antwortete er, nicht viele glauben werden, wenn ich es ihnen ſage. Glaube mir's ſicher, ſagte er, o Socrates, wenn man einmal dem Punct nahe iſt, daß man glaubt, bald ſterben zu müſſen: ſo befällt einen Furcht und Bekümmerniß über ſolche Dinge, über welche einem zuvor nichts beifiel. Denn die Sagen, welche man ſich von der Unterwelt erzählt, daß man nämlich für das in dieſer Welt begangene Unrecht jenſeits Strafe leiden müſſe, verlachte man bis dahin; dann aber, mein' ich, richten ſie den Blick unſeres Innern dorthin aus Beſorgniß, ſie möchten wahr ſein; und ſei es nun aus Altersſchwäche oder weil man der andern Welt ſchon näher ſteht, man begreift jene Dinge ſchon etwas mehr. Jeden Falles wird man von Angſt und Furcht erfüllt, beſinnt und erforſcht ſich bereits, ob man jemanden Unrecht gethan habe. Wenn man nun viele Ungerechtigkeiten findet, ſo wacht man oft wie die Kinder aus dem Schlafe auf, ſchwebt in Furcht und lebt in banger Erwartung(331). Wer ſich aber keines Unrechts bewußt iſt, dem lacht eine freundliche Zukunft entgegen, wirklich eine gute„Alterspflegerin“, wie auch Pindar ſich ausdrückt. Denn gar ſchön, o⸗ Socrates, hat jener geſungen: Wer in Heiligkeit und Frömmigkeit das Leben vollbracht habe, mit dem vermähle ſich als liebliche und das Herz ſchwellende Alterspflegerin die Hoffnung, welche am meiſten den wandelbaren Sinn der Sterblichen lenkt. Ja gut geſagt, gar wunderſchön! In dieſer Beziehung alſo nun behaupt' ich einmal, daß der Vermögensbeſitz von ſehr großem Werthe iſt, jedoch nicht jedem, ſondern nur dem braven Mann. Daß nämlich einer auch nicht gezwungen betrügt oder belügt, daß er ferner weder einem Gotte irgend welche Opfergaben, noch einem Menſchen Geld ſchuldig bleibt, und darum ohne Furcht in die andere Welt hingehen kann, dazu unterſtützt ihn größtentheils der Beſitz ſeines Vermögens. Nebſt dem führt er auch noch andere Vortheile mit ſich, aber eins gegen das andre gerechnet, möchte ich für meinen Theil die Behauptung hinſtellen, daß der Reichthum doch in der vorhin erwähnten Hinſicht einem Manne von Verſtand den allergrößten Vortheil gewähret.
Ganz richtig, o Cephalus, verſetzte ich. Aber was eben dieſen genannten aller⸗ größten Vortheil anlangt, nämlich, daß einer dabei die Tugend der Gerechtigkeit üben kann, wollen wir alſo unbedingt von ihr behaupten, daß ihr Weſen in der Wahrhaftigkeit und in dem Wiedergeben beſtehe, wenn jemand etwas von einem erhalten hat? oder


