— 8—
nach Hauſe von weitem Polemarchus, der Sohn des Cephalus, erblickt und befahl daher ſeinem Burſchen, zu laufen und uns auf ihn warten zu heißen. Und ich war's, den der Burſche hinten beim Mantel erfaßte, mit den Worten: es läßt euch Polemarchus bitten zu warten. Da wandte ich mich um und fragte, wo denn ſein Herr wäre. Dort hinten kömmt er ja her, ſagte er; aber ihr müſſet auch warten! — Nun denn, wir wollen warten, ſagte Glauco.— Und bald darauf kam Pole⸗ marchus und Adimantus, der Bruder des Glauco, Nieetatus, der Sohn des Nicias, und einige andren noch, natürlich von dem Feſte her.— Da rief uns nun Pole⸗ marchus zu: o Socrates, ihr eilt, vermuthlich, ſchon nach der Stadt, um nach Hauſe zu gehen?— Ja gar nicht untecht wetnuuthet,. zentgegnete ich.— Aber ſiehſt Du nicht, wie viel unſerer ſind? ſagte er.— Warum denn nicht?— Ihr müſſet darum, ſprach er, entweder uns da überlegen ſein oder hier bleiben.— Nicht wahr, entgegnete ich, noch ein Ausweg bleibt uns übrig, wenn wir nämlich euch überzeugen, daß ihr uns fortlaſſen müſſet?— Wirklich auch, erwiderte er, ihr werdet uns wohl über⸗ zeugen können, wenn wir darauf nicht hören?— In dieſem Falle keineswegs, ſagte Glauco.— Nun denn, ſprach er, ſo denkt nur, daß wir nicht darauf hören werden.
—(228) Da fiel Adimantus ein: Wißt ihr denn dazu nicht auch, daß heut Abend der Göttin zu Ehren ein Fackelzug zu Pferd Statt haben wird?— Zu Pferde? fragte ich; dies iſt ja was Neues! Hält man dabei die Fackeln und überliefert man dieſe einander während des Wettrennens, oder wie meinſt Du?— Gerade ſo, ſagte Polemarchus. Nebſtdem wird man noch eine Nachtfeier veranſtalten, welche ſehens⸗ wuͤrdig iſt. Nach der Mahlzeit alſo werden wir uns aufmachen und die Nachtfeier ſehen; dort werden wir uns auch mit vielen jungen Leuten zuſammenbefinden, und uns mit ihnen philoſophiſch unterhalten können. Aber bleibt da und geht mir ja nicht fort.— Da ſagte Glauco: Nun, da werden wir wohl bleiben müſſen!— Ja, wenn du meinſt, erwiederte ich, ſo müſſen wir es wohl ſo machen*).
2 Wir giengen alſo nach Hauſe zu Polemarchus und dort trafen wir den Lyſias und den Euthydemus an, die Brüder des Polemarchus, und dann auch den Thraſymachus von Chalcedon, den Charmantides aus der Zunft Päania und Clitophon, den Sohn des Ariſtonymus. Es befand ſich aber auch Cephalus zu Hauſe, der Vater des Pole⸗ marchus, und der kam mir gar zu alt vor; denn es war auch eine lange Zeit, daß ich ihn geſehen hatte. Er ſaß bekränzt auf einem Seſſel, worauf ein Kiſſen lag; denn er hatte oben im Hofe geopfert. Wir ſetzten uns nun zu ihm, denn es ſtanden daſelbſt einige Stühle herum. Sobald mich nun Cephalus erblickte, ſo grüßte er mich und ſagte: O Socrates, du komanſß ja gar nicht mehr i oft zu uns! in den
*) Die größte Freude des Socrates war, ſich mit Jüngling en zu unterhalten, um he von der Wahrheit ſeiner Lehre zu überzeugen; denn eine e Veheſjemmna der Aden hattaßs 9 Luhen wie Moſes, aufgegeben. 1 1622 1 910


