Perſonen des Dialogs.
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Der denſelben erzählende Socrates, Cephakus, Polemarchus, der Sophiſt Thraſpmachus und ſein Schüler Clitophon, die Gebrüder Glauco und Adimantus.*)
Kap. 1(S. 327 nach Stephanus). Ich gieng geſtern in den Piräͤeus**½) hinab, um dort erſtlich vor der Göttin meine Andacht zu verrichten, zugleich auch wollte ich dann mir die Feſtlichkeit anſehen, auf welche Weiſe man ſie begehen würde, da man ſie zum erſten Male feierte. Recht ſchön wirklich kam mir nun der ßFeſtzug unſerer Landsleute vor, eben ſo herrlich erſchien jedoch auch der, welchen die Thracier veran⸗ ſtalteten; aber nach der Verrichtung unſerer Andacht und nach der Betrachtung der Feſtzüge giengen wir fort nach der Stadt. Da hatte uns nun bei unſerem Gange
*) Ich muß hier auf meine„Einleitung in Plato's Gottesſtaat“ verweiſen, welche S. 8 einen eigenen Abſchnitt unter dem Titel hat: Charakteriſtik der in der Politie redend auftretenden Perſonen. Dieſe characteriſieren ſich übrigens ſelbſt. Außer dem Cephalus, den der herkömmliche Glaube und das Alter von der Vorzüglichkeit der Tugend oder„der Ge⸗ rechtigkeit“ überzeugt hat, vertritt jede Perſon eine der damaligen philoſophiſchen Richtungen: Polemarchus die der eleganten aber oberflächlich gebildeten Leute, welche noch gutmüthig genug ſind, einer tieferen Belehrung ſich hinzugeben, falls ſie, wie hier, in gute Hände fallen; die Gebrüder Glauco und Adimantus, welche in dieſem erſten Buche nur als Neben⸗ und erſt im zweiten als Hauptperſonen erſcheinen, vertreten zwar eine größere wiſſenſchaftliche Bildung, welcher aber bei aller Neigung zum Guten die volle ſittlich⸗religiöſe Ueberzeugung des Socrates fehlt; der Sophiſt und Maulheld Thraſymachus endlich(nebſt ſeinem unbedeutenden Schüler Clitophon), den Plato ſelbſt im Phädrus 267 c zwar in etwas milderem Lichte aber dabei doch als einen Meiſter im Ver⸗ leumden erſcheinen läßt, repräſentiert hier auf eine ſeinem Namen(= frecher Streiter) entſprechende Weiſe die damalige neumodiſche Weisheit und Geſcheidheit, welcher eine ebenſo ſtreng wiſſenſchaftliche als tief religiöſe Tugendlehre entgegenzuſetzen die Lebensaufgabe des Socrates und ſeiner Schule war.
**) Jetzt Porto Drako oder Porto Leone genannt, war die Hafenſtadt von Athen, welche bekanntlich durch zwei lange Mauern mit der eigentlichen, nicht ganz eine deutſche Meile entfernten Stadt verbunden war. Das damals hier gefeierte Feſt der jungfräulichen Göttin Diana, der Bendis der Thracier, von welchen die beſondere Verehrung derſelben nach Athen gekommen war,. iſt übrigens nicht ohne Grund von Plato zur Darſtellung ſeines Ideales vom tugendhaften Manne ſowohl wie vom gerechten Staate gewählt worden. S. Einleitung ꝛc. S. 19.


