Aufsatz 
Gott, Welt und Mensch. Eine weitere Betrachtung zur Einleitung in die Philosophie für Studierende
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15.

an der Einerleiheit der Atome in verſchiedenen Naturkörpern, bei welchen die Verſchiedenheit nur durch andre Gruppierung bewirkt wird, an allen chemiſchen Proceſſen und Verbindungen ac. ꝛc., am beſtimmteſten aber an dem Bewußtſein desjenigen Weltweſens, das wir den Menſ chen nennen, welches Wort urſprünglich denkendes Weſen bedeutet. 1

Anmerk. Weniger bezeichnend iſt das lat. Wort homo(humus bumilis), im Gegenſatz zu den oben wohnenden Göttern; dagegen bezeichnender wieder das griech.& ϑ σασmσπιοσ, mag es von dναν Ʒ doety, dem characteriſtiſchen aufwärts gerichteten Blicke abgeleitet werden, oder mag es Gwehrſcheinhiner) mit dννοο zuſammenhſnge 3 ſo u5 das Wort die Blume der Schöpfung bedeuten würde.

§. 24. 1

Von dieſen, Anfangs des vorigen§. genannten Zügen muß der eine, die Einheit der Geſetze, als das unbedingt beherrſchende, der andere, die Mannigfaltigkeit der Erſchei⸗ nungen, als das ſchlechthin unterworfene Element gedacht werden. Die Einheit gibt der Welt Sein, Haltung und Leben; ſie iſt das zugleich conſtitutive und regulative Prinzip im Rhythmus der Welt, die platoniſche Weltſeele, welche ein Philoſoph der Neuzeit das mathematiſche Moment des Weltganzen nennen würde. Die Mannigfaltigkeit wäre nicht einmal Mannigfaltigkeit, wenn ihr nicht die Einheit voranſtände und den Character einer gewiſſen, jedoch untergeordneten Selbſt⸗ ſtändigkeit ertheilte. Nur unter dieſem geliehenen Sein erſcheint ſie; ſonſt, für ſich betrachtet, iſt ſie das 1 öy oder 9o» der Alten, im Gegenſatze des b» oder 116». Eigenthümlich eriſtiert daher keine bloße Mannigfaltigkeit und dieſe kann daher nicht als ein von der Einheit getrennter oder ihr coordinierter Zug im Bilde der Welt dargeſtellt ſein. Was ſich in dieſem Bilde darbietet, iſt bloß Vielheit, welche wir aber als Product der Einheit zu betrachten genöthigt ſind, ohne daß wir jedoch dieſer letzteren mehr als hiſtoriſchen Werth zuſchreiben dürfen, wie ohngefähr der Fiction des Chaos, um aus dieſem das Geordnete und Geregelte hervorgehen zu laſſen.

§. 25.

Betrachten wir nun aus dieſem Geſichtspuncte dasjenige Element der die Welt charakteriſterenden Vielheit, welches auf eine Mannigfaltigkeit hinweiſ't, ſo iſt dieſes der Punct, von welchem aus die Welt ſich unterſcheidet von der Gottheit, welche als die reinſte Identität gedacht wird. Von dieſer Seite iſt uns die Welt ebenſo unbegreiflich, als die Gottheit an ſich ſelbſt. Alle Verſuche, die Vielheit auf die bloße Einheit zuruckzuführen, müſſen nothwendig mißlungen ſein und geben ſich mehr oder weniger als ein Verſteckens⸗Spielen mit Begriffen, als ein beliebiges Ab⸗ und Hinſehen, je nachdem man Etwas bald zu ſehen, bald nicht zu ſehen Urſache findet, als eine bloße Tändelei, welche die Einheit als die concentrierte Vielheit und dieſe als die zerfallene oder peripheriſch ge⸗ wordene Einheit darſtellen will.

Bei dieſen Verſuchen, ſeien ſie auch philoſophiſch achtbarer, als die perſiſch⸗zoroaſtriſche, kabaliſtiſche oder neuplatoniſche Emanations⸗ ⸗Theorie, geht entweder die Vielheit, oder die Einheit verloren, und das Ergebniß iſt entweder eine eleatiſche All⸗Eins⸗ Lehre, oder eine ſpinoziſtiſche Verkörperung Gottes, oder überhaupt Vermiſchung von Gott und Welt(pſychologiſcher, kosmologiſcher, ontologiſcher Pantheismus).

Anmerk. Aber woher der Stoff zur Welt? Dieſe Frage hat zum Theil keinen vernünftigen Sinn, ſofern man nach einem zum Weltbaue vorräthig daliegenden Stoffe fragt; zum Theil, wenn man hiemit nur einen Aufſchluß über die Möglichkeit der Vielheit verlangt, iſt ſie für den Philoſophen unbeantwortlich, da dieſer im Ernſte kein Chaos an⸗ nehmen kann. Der Philoſoph betrachtet zwar die Vielheit als ein Product der Einheit und Mannigfaltigkeit oder der Beſtimmtheit durch die Einheit, aber die Art dieſes Productes oder dieſer Beſtimmung iſt ihm als über die Welt hinaus

liegend, ſonach wahrhaftig transcendent unerklärbar. Nennt man die Art dieſer Production oder Beſtimmung Schöpfung, ſo hat die Philoſophie gegen dieſe Benennung