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kenophanes unter den Alten und Kant unter den Neuen, die beide, durch die Wider⸗
ſprüͤche veranlaßt, jene Fragen ganz aus dem Gebiete der Philoſophie abwieſen. „§. 20., Diejenigen Philoſophen, die die Welt im Hirann⸗ und Zeit entweder endlich oder unendlich
itashmen begehen beide den Fehler, daß ſie vom Einzeln auf das Ganze ſchließen und, was von jenem gilt, entweder auf dieſes unbedingt übertragen, oder von ihm ſchlechthin verneinen; ſie ver⸗ ſehen es zweitens beide, daß ſie das Weltganze erxiſtieren laſſen in Ranm und Zeit, da es 3 doc nur innerhälb der Welt Raum und Zeit gibt.
14u§. 21! 1135 Recht hatte daher ensphan es, wenn er behauptet, man könne nicht ſagen weder daß die
Welt endlich, noch daß ſte unendlich ſei; und ebenſo Kant, wenn er wegen der erwähnten An⸗ nahme die ganze Frage aus dem Gebiete der Philoſophie abwies. Aber was ſte als Gründe für ihre Anſicht aufſtellen, trifft nicht den rechten Punct, und ſomit ſind Kant's Antinomien mit einer Verunglimpfung der Vernunft verbunden, die hier wenigſtens nicht nöthig iſt, wie ſchon Krug in dem encyclop.⸗phil. Wörterbuch unter dieſem Worte nachgewieſen hat. Nicht die Vernunft iſt es, die ſich in der Beantwortung dieſer Fragen widerſpricht, ſondern die Frage iſt ſo unverantwort⸗ lich, daß die Vernunft hierauf nicht antworten kann; weil ſie an ſich widerſprechend iſt, ſo kann freilich von zwei eonttadictoriſch entgegen geſeßten Antworten keine wahr ſein. 5 1§. 122.
Die Philoſophie beſchränkt ſich demnach auch hier lediglich auf die Erörterung der Verhältniſt, in denen die Welt zu Gott und zum Menſchen gedacht wird, ſie iſt daher nicht Kosmogonie, ſondern und zwar im eigentlichen Sinne Kosmologie.
§. 23.
Zuvörderſt ſtellt ſich die Welt in ihren innigſt verbundenen beiden großen Zügen dar, welche dem Forſcher überall begegnen als Einheit der Geſetze und als Mannigfaltigkeit der Erſcheinungen. Dieſe letztere iſt ſo unendlich reich, daß unter der unzählbaren Menge ihrer Erzeugniſſe jedes ſeine bis in das individuellſte ausgebildete Eigenthümlichkeit beſitzt, und ſo uner⸗ ſchöpflich, daß ſie nie ſich wiederholt, ſondern immer Neues aus der Fülle ihrer Kraft hervorbringt. Jedoch ſind es unwandelbare Typen, wodurch zdieſer Wechſel, dieſe Mannigfaltigkeit be⸗ herrſcht wird. m
Und dieſe Typen, ſo mannigfaltig ſie auch unter ſich ſind, ſo mannigfaltig auch die Stufen ſind, deuten wieder auf ein höchſtes Geſetz hin, welches alle Mannigfaltigkeit zuſammenhält.
Dieſe Einheit offenbart ſich, ſo Viel vom Gange des Ganzen zu überſchauen iſt*), an dem geregelten Gange der Geſtirne(Keplevs Weltharmonik), an der Wiederkehr der Jahres⸗Zeiten, an dem Wechſel von Tag und Nacht, an dem wunderbar ſich herſtellenden Gleichgewichte der in der Erd⸗Atmosphäre gemiſchten Elemente, an der Perennität der Gattungen, an den Geſetzen der Experimental⸗Phyſtk, an der bei immer mehr fortſchreitenden empiriſchen Naturwiſſenſchaft auch fort⸗ ſchreitenden Reduction der früher angenommenen Mehr⸗ oder Vielheit von ſ. g. Natur⸗Kräften**),
*) Das unvergleichlichſte Schriftwerk, in welchem die Ergebniſſe der zwar langſam aber ſicher fortſchreitenden empi⸗ riſchen Naturforſchung wie in einem Brennpuncte vereinigt und die Einheit in der Vielheit der Welterſcheinungen im umfaſſendſten Sinne dargeſtellt wurde, iſt bekanntlich A. v. Humboldt's Kosmos, aus deſſen II. B. wir im Progr. 1855 einen überblicklichen Auszug gegeben haben. Wer mehr als einzele aphoriſtiſche Beiſpiele in dieſer Hinſicht erwartet,
den verweiſen wir auf dieſes Werk, junge Freunde aber auf Schaller's und Cotta's Briefe über H.“s Kosmos. **) Ohm ſpricht z. B. bereits von einer Dreieinigkeit der Kraft in ſeinem Beitrag zur näheren Erkenntniß Gottes
in ſeiner materiellen Schöpfung, Nürnberg 1856.


