Aufsatz 
Gott, Welt und Mensch. Eine weitere Betrachtung zur Einleitung in die Philosophie für Studierende
Entstehung
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3) Der phyſiko⸗theolog. Beweis ſchließt auf das Daſein Gottes von der Zweckmäͤßigkeit der Natur. Dieſer Bemeis, mit den zwei vorigen verglichen, empfängt eigentlich ſeine letzte Schlußtraft von jenen. An ſich betrachtet, lbe⸗ ruht er dloß auf Analogie; an laloge Beweiſe geben aber nur Wahrſcheinlichkeit, keine abſolute Gewißheit.

4) Der hiſtoriſche Beweis beruht auf dem übereinſtimmenden Völker⸗Zeugniſſe: argumentunn e consensu populorum petitum. Da in neuerer Zeit, z. B. in Amerika die Peſcheräs, ſo rohe Völter gefunden wurden, daß ſie nicht ein Mal ein Wort zur Bezeichnung eines göttlichen Weſens hatten, ſo hat dieſer Beweis ſich anders gewandt und ſchließt von einer höhern Leitung des Menſchengeſchlechts; argumentum e fatis generis humani petitum. Aber wer die höhexe Leitung in der Geſ ſchichte nachweiſen will, muß ſchon vorher vom Daſein Gottes überzeugt ſein. Zudem kann die Ge⸗ ſchichte bekanntlich eine mehrfache Deutung laheun eine Pätte ſiet in der Geſchiche eine Weeſciaeiind, die andere eine fortgehende Werbeſſerug der Menſchheit. 190 35

§.

2 Das Verhättniß aber der Gottheit zur Welt und zum Menſchen, das die Philoſephie ee ſucht, iſt das in der Idee gegebene Verhältniß des Grundes zu dem Begründeten. Es iſt ein mit der Vernunft gegebenes Bedürfniß des Menſchen, von allem Erſcheinenden einen Grund voraus⸗ ſetzen zu müſſen und, im Aufſuchen desſelben von niederen zu immer höheren Bedingungen auf⸗ ſteigend, nicht eher ſich befriedigt zu geben, bis er denſelben im höͤchſten Sein, das er Gott nennt, entdeckt hat.

Anmerk. Wie durch das Umſchwingen eines imntenben Feuerbrandes endlich die helle Flamme entſteht, ſo ent⸗ ſteht(nach einem Gleichniß Plato's) durch ſittlich religiöſe Beſchäftigungen und Uebungen von Jugend auf, unter welchen

bei den Alten die Wiſſenſchaft oben ſteht, die(vorher von der Vernunft⸗Anlage nur geahnte) lebendige Idee Gottes im Meuſchen. Dann ſind, leben und bewegen wir uns in Gott. Alles andre Lehen iſt 8 ottlos.

Muß nun Gott als der Cebte) Grund vom Daſein 8 Welt und des Menſchen devach

werden, ſo muß er auf der einen Seite zwar als unterſchieden von der Welt, n aber Wauch von der anderen Seite als mit derſelben zuſammen hängend gedacht werden.

Es gibt daher zwiſchen Gott und Welt keine Trennung, ſo daß Gon als vor oder anß. e r der Welt gedacht werden müßte oder könnte. Dieſes fordert das Verhältniß des Grundes zu dem durch denſelben Begründeten. Wenn Gott als vor der Welt exiſtierend von den Rechtgläubigen angenommen wird, ſo bezeichnet dieſes Vor nicht trennende Zeit⸗ und Raum⸗Verhältniſſe, ſondern nur den unterſcheidenden Rang. Gott iſt als Grund allerdings das Erſte und das durch ihn begründete Weitdaſein das Zweite, aber im logiſchen Sinne, Jächt in Zeit und Raum.

§ 14. Dieſe Verhältniſſe der Gottheit zur Welt und zu dem Menſchen aufſtllend, conftruſert, ſich die

Philoſophie als Theologie. Theismus inſonderheit wird jene Vorſtellung genannt, welche ſich an dieſen Verhältniſſen feſthält. Wer aber über dem erkannten Unterſchiede zwiſchen Gott und Welt den Zuſammenhang uüberſieht, während er den Zuſammenhang einfeitig betrachtet, wird D eiſt, und wer den Unterſchied uͤberſieht, wird Pantheiſt genannt(die Cleaten, Epicureer, Spinoza, von den neueren Schelling als Urheber der Identitäts⸗Lehre, Hegel, deſſen Pantheismus als eine dialectiſch conſtruierte Selbſtvergötterung des Menſchen erſcheint.)

84 15. Wird Gott betrachtet in ſeinem Unterſchiede von der Welt, ſo muß von ihm Alles verneint

werden, was ein Präͤdicgt von der Welt oder von irgend einem Weltweſen ſein kann. Er iſt in ſofern jedem Begriffe entrückt, er iſt der Unausſprechliche, Unnennbare, die in unzugäng⸗ lichem Lichte wohnende Gottheit an ſich. Wir reden zwar in dieſer Beziehung von Ewigkeit,

Unendlichkeit, Unveränderlichkeit ac. Gottes, aber es ſind Namen, ſie nennen ihn nicht. Anmerk. Unter allen Sprachen, welche ich kenne, hat die deutſche dafür das noch bezeichnendſte Wort. Gott(bis⸗ her fälſchlich von gut abgeleitet) iſt nach der neueren Sprachforſchung ſo viel als der Allwaltende, der Allſchützende.