Aufsatz 
Gott, Welt und Mensch. Eine weitere Betrachtung zur Einleitung in die Philosophie für Studierende
Entstehung
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Wer meinen ſollte, daß in Vorſtehendem ein in der Wirklichkeit nicht zu erreichendes Ideal angedeutet ſei, den verweiſen wir auf denſelben Meiſter, auch heute hierin natürlich mutatis mutandis noch Muſter, wenn ihn z. B. Xenophon's Mem. I, 6 ſich in dieſer Beziehung äußern laſſen:Wie ein Andrer an einem Pferde, Hunde, Vogel von edler Race ſeine Freude hat, ſo habe ich in weit höherem Grade meine Freude an(jungen) Freunden mit Anlage zum Guten; wenn ich etwas Gutes habe, ſo lehre ich ſie es, und bringe ſie auch mit Andren in Verbindung, von welchen ſie nach meiner Ueberzeugung in Abſicht auf Mannestüchtigkeit Etwas profitieren können. Nebſtdem rolle ich die ſchriftlich hinterlaſſenen Weisheitsſchätze der alten Welt gemeinſchaftlich mit meinen(jungen) Freunden auf und gehe ſie mit ihnen durch. Und wenn wir etwas das Gute Förderndes wahrgenommen haben, ſo merken wir es und halten es für den größten Gewinn, wenn wir uns auf ſolche Weiſe im Guten vorwärts bringen. Auch in dieſer Beziehung werden hinſichtlich der Jugendbildung immer geltend bleiben die Worte des Horaz: Vos exemplaria graeca nocturna versate manu, versate diurna.

Wer neben dieſer Auctorität eines philoſophiſchen Dichters auch eine chriſtliche wunſcht, dem empfehlen wir die Rede von Baſilius dem Großen(geb. 331 n. Chr.) an die Jünglinge über den rechten Gebrauch der heidniſchen Schriftſteller, von welcher wir in Folge des neuerdings gegen die heidniſchen Schul⸗Klaſſiker erregten Sturms durch Hrn. Prof. Dr. Lothholz in Weimar eine neue und den ſtudierenden Jünglingen zu empfehlende Ausgabe(Jena 1857) erhalten haben.

Worms, Oſtern, 1862.