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aufgemuntert durch das Urtheil competenter Richter über die früher vexöffentlichten Betrach⸗ tungen, theils durch das Zeugniß eines der achtbarſten Univerſitäts⸗Lehrer in dieſer Be⸗ ziebung, daß die vom Wormſer Gymnaſium kommenden Studierenden mit beſonderem Fleiße die philoſophiſchen Vorleſungen beſuchten und das Studium der Pbiloſophie zu einer Herzens⸗Angelegenheit machten, ein Zeugniß, an welchem alle Lehrer der Anſtalt Theil haben, ſowie, beiläufig bemerkt, andrerſeits auch an dem, daß die von hieſigem Gymnaſium kommenden Mediciner im Allgemeinen am eheſten ihr ſ. g. philosophicum erledigen, ein ſprechender Beweis, daß der in unſerer Anſtalt gehegte und gepflegte philoſophiſche Geiſt von ernſten Studien nicht abzieht.— Der oben bezeichnete phil. Geiſt einer Lehranſtalt will nämlich in allen Lehrgegenſtänden gepflegt werden, und die oben als zu einer Einleitung in die Philoſophie gehörig bezeichneten Betrachtungen wollen nichts weniger als für ein Com⸗ pendium von förmlichen Vorträgen über Philoſophie in Gymnaſien betrachtet ſein; zunächſt aus dem Beſtreben entſtanden, über die wichtigſten Fragen der Menſchheit und Menſchen⸗ bildung in's Reine zu kommen, beabſichtigt ihre Veröffentlichung durch den Druck zunächſt nur, für unſere Schüler eine zuſammenhängende Erinnerung an das zu ſein, was in der oberſten Klaſſe gelegentllch der Lectüre der griechiſchen und römiſchen Schriftſteller, nament⸗ lich der philoſophiſchen, ſowie in öffentlichen Schulreden zerſtreut und in einzelen Bemerkungen an dieſe oder jene Gelegenheit in möglichſter Kürze angeknüpft oder angedeutet, höchſtens im letzten Vierteljahre den Abiturienten in einigen beſonderen Stunden in zuſammenhängenden Winken mitgetheilt wurde. Uebrigens beſchranken ſich die Anſprüche dieſer philoſophiſch⸗ pädagogiſchen Verſuche auf das bekannte Horaziſche: Si quid novisti rectius istis, cau- didus imperti; si non, his utere mecum.
Je tüchtiger der Fachlehrer(Philolog, Mathematiker, Phyſiker, Hiſtoriker ꝛc.) n, deſto mehr ſcheut er ſich oft noch heut' zu Tage, den Philoſophen angereiht zu werden, wenn auch nicht geradezu aus Verachtung, doch theils abgeſchreckt von den allerdings bedenklichen Aben⸗ teuerlichkeiten und Abirrungen von den Lehren eines vernünftigen Denkens, wie ſie ſich in der Richtung des progreſſiven Kantianismus von Reinhold bis Hegel zeigen, theils aus Furcht entweder vor der Verdächtigung der Oberflächlichkeit unter Fachgenoſſen, oder der des Rationalismus und übermäßigen Freiheitſinns, wenn nicht noch eines Aergeren, von Seiten leidenſchaftlicher Eiferer. Wir wollen hier nicht mit der Frage antworten: welche Wiſſenſchaft iſt nicht von einzelen unberufenen Trägern derſelben mißbraucht, und deßhalb welche nicht über Gebühr verdächtigt worden? ſondern mit der: welcher Fachlehrer will für keinen Pädagogen gehalten werden? Ich glaube: jeder Fachlehrer will noch als Pädagog gelten, ſelbſt wenn er auch meinen ſollte, pädagogiſcher Geſchick ergebe ſich von ſelbſt mit dem Wiſſen jeder Fachwiſſenſchaft. Wer aber ein Mal Pädagog ſein will, wird auch einen würdigen, gleich von oberflächlicher Aufklärerei(Sophiſtik) wie von Zelotismus entfernten Standpunct einnehmen wollen, wozu die in jeder Wiſſenſchaft enthaltene Logik und der etwa in derſelben mehr oder minder, jedenfalls nur theilweiſe, vorfindliche ethiſch⸗ Gehalt keineswegs ausreichen, ſondern dazu iſt nach den hochachtbarſten Gewährsmännern de


