Aufsatz 
Gott, Welt und Mensch. Eine weitere Betrachtung zur Einleitung in die Philosophie für Studierende
Entstehung
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Doch wir haben uns hier noch darüber auszuſprechen, was wir unter einer Einleitung zur Philoſophie im Gymnaſium verſtehen. Wir können uns auch hierüber auf ein früheres Programm, vom J. 1852, beziehen, in welchem wir unter Beziehung auf die Worte Seneca's Ep. 89*) dazu rechneten:

1) eine Betrachtung der Richtung des Ganges aller bisherigen Philoſopheme oder eine ſ. g. Geſchichte der Philoſophie, aus welcher anſchaulich wird, daß dem philoſophiſchen Geiſte eine dunkle Ahnung deſſen dämmernd vorſchwebte, was er ſuchte, oder daß ihm

bald mehr bald weniger klar ein unentwickelter Begriff der Aufgaben(Troblemre⸗ vor⸗ leuchtete, welche er zu löſen unternahm; 2) eine Betrachtung dieſer Aufgaben ſelbſt, ſo weit ſie ſich bis jetzt als der Pbiloſo⸗ pbhie eigenthümlich hervorgethan und eine Ausſcheidung derſelben aus dem Geſammt⸗ gebiete des Wiſſens veranlaßt haben;

3) eine Betrachtung des anerkannten Unterſchiedes zwiſchen Philoſophie und Mathematik einerſeits und den Erfahrungs⸗(empiriſchen) Wiſſenſchaften andrerſeits, welche wir unter Geſchichte im weiteren Sinne des Wortes und unter Naturwiſſenſchaft begreifen;

4) eine Betrachtung des den menſchlichen Geiſt auszeichnenden Bedürfniſſes, welches

ddenſelben, ohne ihn durch fehlgeſchlagene Verſuche aller Art muthlos werden zu laſſen, raſtlos über die Sinnenwelt hinaustreibt und auf die Beantwortung jener Probleme andringt;

5) das aus dieſen Betrachtungen hervorgehende Ideal, Eintheilung ſowie Gliederung der Philoſophie.

Die Betrachtung No. 5 haben wir im bereits erwähnten Programm des 3. 185²2 angeſtellt, die No. 4 in dem des J. 1841 unter dem Titel: Ueber die Stufen der menſchlichen Erkenntniß und deren Hauptirrwege, die No. 3 in dem Pr. d. J. 1853 und 1855 unter den Titeln: a) Von dem Verhältniſſe der Mathematik zur Philoſophie und von den jeweiligen Einflüſſen der letzteren auf erſtere; b) Ueber Idee und Bedeutung der empiriſchen Naturwiſſenſchaft ſowie Ueberblick der Naturwiſſenſchaften mit den übrigen Wiſſenſchaften (beiden Betrachtungen war eine kurze Geſchichte der Mathematik und der Naturwiſſenſchaften beigefügt); die Betrachtung No. 1 erledigten wir in der Gelegenheitsſchrift: Grundriß der Geſch. der Phil. für Schüler der oberſten Kl. des Gymnaſiums und für angehende Studierende, nebſt Betrachtung über die Vergangenheit und die Zukunft der Phil., eine Gedächtnißſchrift zum 50 j. Jubiläum der vereinigten Gelehrten⸗Schulen in Worms, 1854. Demnach bleibt von dieſen in die Philoſophie und das geſammte Gebiet des Wiſſens einleitenden Betrachtungen uns noch No. 2 übrig, welche ich bei dieſer Gelegenheit zu veröffentlichen kein Bedenken trage, theils

*) Utinam, quemadmodum universi mundi facies in conspectum venit, ita philosophia tota nobis posset occurrere, simllimum mundi spectaculum.