Aufsatz 
Gott, Welt und Mensch. Eine weitere Betrachtung zur Einleitung in die Philosophie für Studierende
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vorwort.

Ob Philoſophie in ein Gymnaſium gehöre, iſt bekanntlich unter den Pädagogen noch eine Streitfrage, welche aber von Jedem, welcher ein Recht hat, über Philoſophie(im unentweihten Sinne des Wortes) mitzuſprechen, verneint werden muß, ſobald man unter dem allerdings ſehr vieldeutigen Worte Philoſophie Das verſteht, was genauer mit dem Worte Philoſophem oder Syſtem dieſes oder jenes Pbiloſophen bezeichnet wird; wer aber verneinen wollte, daß auch Philoſophieren zumal in ſokratiſchem Sinne in die Gymnaſien gehöre, der würde den ſchon Jahrhunderte lang gerühmten und rühm⸗ lichen Kern aus denſelben verbannen wollen, ein Thema, welches wir ausführlicher im Wormſer Prüfungs⸗Progr. des J. 1847 durch Beantwortung der Frage abgehandelt haben: Wie fern ſind Gymnaſien philoſophiſche Bildungs⸗Anſtalten? Die wei⸗ tere Frage, ob eine Art Einleitung zur Philoſophie in das Gymnaſium gehöre, wird weder unbedingt bejaht, noch unbedingt verneint werden koͤnnen. So lange in Deutſch⸗ land noch nicht der ſo wünſchenswerthe Uebergang von dem Gymnaſium zur Hochſchule in Lehrweiſe und Disciplin vermittelt iſt, wird weder das Bedürfniß zu einer ſolchen Ein⸗ leitung noch die Nützlichkeit derſelben in Abrede geſtellt werden können, vorausgeſetzt, daß eine hierin kundige Hand an dem jedesmaligen Gymnaſium ſich vorfindet, welche über dieſer Zugabe die Hauptgabe nicht vernachläſſig't.Aber, hör' ich da,wie ſteht es dann mit der allerſeits jetzt von namhaften Pädagogen für nothwendig erklärten und erſtreb⸗ tenConcentration der Lehrgegenſtände? Soll zu den ſchon ſo vielen Lehrgegenſtänden noch ein neuer hinzukommen? Nein, kein neuer, ſondern ein erneuernder im Geiſt und in der Wahrheit, welcher die durch mehr gelehrten als pädagogiſchen Eifer aus einander getriebenen Glieder(membra disiecta) des jugendlichen Unterrichtskreiſes(encyclopaedia) organiſch vereinigt und vereinfacht, ohne einen beſonderen Raum einzunehmen(nur das Geiſtige vereinfacht oderconcentriert), welcher die auf dem Gebiete der Pädagogik beſon⸗ ders heut' zu Tage ſichtbaren extremen Principien, Kirchlichkeit und Brauchbarkeit für das Leben, verſoͤhnt(philosophia plene hausta ad Deum reducit), welcher, um es mit bekannten Worten zu ſagen, das Joch und die Bürde jedes Unterrichts⸗Gegenſtandes leicht und ſüß macht, indem nur das der jedesmaligen Faſſungsgabe Angemeſſene geboten und empiriſch⸗pſychologiſch(ſocratiſch) an bereits Bekanntes angeknüpft wird, indem zugleich nichts unterlaſſen wird, was die Knospe vor Ungeziefer ſchützt, was zu ihrer Reife und Entfaltung beiträgt, aber auch Alles vermieden wird, was ſie zu früh aufdrückt oder ver⸗ frühreift.

1*