[Sokrates. Nun die Anwendung dieſer allgemeinen Wahrheiten auf die menſchliche Seele! Nicht wahr, auch für ſie giebt's ein Uebel, was ſie ſchlecht macht? oln min rn Glauco. Ja ſicher, zumal jene moraliſchen Uebel, welche wir vorhin*) durchgegangen haben: Ungerechtigkeit, ſinnliche Ausſchweifung, Feigherzigkeit, Vernachläſſigung des Piseyſchaſtlichen Unterrichtes und der Erziehung, ain ii Sokrates. Kann nun eins dieſer Uebel die menſchliche Seele auflöſen oder vernichten? Vor der Antwort auf dieſe Frage Acht gegeben, daß wir uns nicht irre führen laſſen durch die Einbildung, daß ein ungerechter und vernunftloſer Menſch, wenn er durch Ertappung auf einer ungerechten Handlung den phyſiſchen Tod findet**), durch die Ungerechtigkeit, als einer Schadhaftigkeit der Seele zu Grunde gehe; du mußt vielmehr dein Räſonnement ſo anſtellen: den Körper reibt auf und zer⸗ nichtet des Körpers Schadhaftigkeit, welches die Krankheit iſt, und bringt ihn endlich dahin, daß er als Körper nicht mehr iſt, und ſo werden überhaupt alle vorhin genannten Dinge von dem durch ſein Anhaften und Einwohnen deederhendenhee zum Nichtmehrſein gebracht; beſchädigt nun 8 ſo⸗ Küch.. 88 1Glauco⸗ Ja wohl. 24 Sokrates. Nur Acht gegeben bei Amwendung deſſlden 80) Vrgl. Bch. IX, Kap. 12 zu Ende und Kap. 13 zu Anfang. Un⸗ a gerechtigkeit und ſinnliche Ausſchweifung verdarben den begehren⸗ den Seelenbeſtandtheil, Feigheit den berzhaften oder zorn⸗ müthigen, Vernachläſſigung der ſelentiſiſchen und moraläloen Erziehung den vernünftigen. **) Die Worte örxν* dνασν überſetzt V. Cousin: Quand a est condamné à mort pour son injustice wohl nicht ganz richtig, aber richtiger, als Schleiermacher und Schneider, welche das 1 9†% durch ergreifen oder dgl. überſetzen, wo⸗ durch die Stelle ganz unverſtändlich bleibt. Nach aitiſchem Rechte wurde die Todesſtrafe nicht immer förmlich durch das Gericht er kannt, der des Nachts ertappte Dieb, der in ſlagranti er⸗ wiſchte Ehebrecher konnte auf der Stelle getödtet werden. Daher nun zu erklären, daß, wie an unſrer Stelle, ertappt und phy⸗ ſiſch getödtet werden als ſinnverwandt gebraucht werden,
wovon unſre Wörterbücher, ſelbſt das lexicon Platonicum, Nichts bemerken. S. Wachsmuth's H. A. II, 1, S. 253 u. 254.


