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Glauco. Welche denn?
Sokrates. Daß zerſtörend und verderbend ales Uebel, daß dagegen erhaltend und wohlthuend das Gute iſt.*)
Glauco. Ja ich einmal habe dieſe Anſicht. Sokrates. Weiter, nimmſt du auch folgenden Satz
an? Ein Uebel giebt's für jedes Ding, ſowie auch ein Gut, ſo z. B. iſt das Uebel für Augen[p. 609]/ Augenweh, im Allgemeinen für jeden organiſchen Körper Krankheit, für Ge⸗ traide Brand, für Gehölz Fäulniß, für Eiſen und Erz Roſt, und ſo giebt's, wie geſagt, faſt für alle Dinge ein urſprüng⸗ lich eigenes Uebel und Krankheitsweſen. 19 1
Glauco. O ja, den Satz nehm' ich an. g ch
Sokrates. Nicht wahr, wenn ein Uebel der Art einem Dinge ſich anſetzt, ſo macht es das, wem es ſich anſetzte, nicht nur ſchadhaft, ſondern bewirkt auch endlich Deſen gänzliche Auflöſung und Vernichtung?
Glauco. Allerdings.
Sokrates. Aus dieſen Borderſätzen folgt nun der Schluß: entweder das einem jeden Dinge urſprünglich eigne Uebel und Schädliche vernichtet es; oder, wenn dieſes es nicht vernichtet, ſo kann ſonſt nicht Anderes in der Welt es ver⸗ derben. Denn einen dritten Fall giebt es nicht: es kann ja weder das(erhaltende) Gute es vernichten, uog auch das, was weder gut noch übel iſt.—
Glauco. Unmöglich.
Sokrates. Daraus folgt weiter: finden wir eins der Dinge, wofür es zwar ein eignes Uebel giebt, welches es ſchlecht macht, ohne es jedoch vernichtend aufzulöſen; ſo haben wir da den wiſſenſchaftlichen Beweis, daß es für ein Weſen ſolcher Natur keine Vernichtung giebt.
Glauco. Ja in dieſem Falle offenbar.
*) Das Gute des Plato iſt heil und heilend, das Böſe deſſelben Verderben und Unheil bringend, was wir ſchon zu Buch VII mit Beziehung auf Dr. Ackermann's Schrift: das Chriſtliche im Plato ac. zu bemerken Gelegenheit hatten. 1


