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n Sokrateisn Soweit unſre Rechtfertigung in Betreff unfrer abermaligen Erinnerung über die Nachahmungspoeſie, daß wir ſie früher wegen ihrer erwähnten heilloſen Untugenden mit Fug und Recht aus dem Staate verbannten; denn das objektive Sittengeſetz der Vernunft leitet unſere Ueberzeugung. Damit ihr jedoch nicht einfällt, hiergegen uns(Philoſophen) der Härte und Inhumanität zu beſchuldigen, wollen wir zu allem Ueberfluſſe dazu bemerken, daß ſchon von Alters her ein gewiſſer Prozeß zwiſchen der wahren Wiſſenſchaft und der Poeſie beſteht. Denn Beweiſe davon ſind die(poetiſchen) Phraſen: „Es bellt gegen ſeinen Herrn ein kläffender Hund“; ferner:„ein Meiſter in der Windbeutelei von Thoren“; ferner:„das die Gottheit meiſternde Volk der Pyiloſophen“ ferner;„die fein grübeln⸗ den Hungerleider“, und noch tauſend andere zeigen von
einer uralten Feindſchaft von Seiten jener Dichter*) Deſſen 4 5]*)
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1*) Bei Ueberſetzung dieſer einzelnen nur dichteriſchen Citate bin ich im Ganzen der Erklärung Schneider's gefolgt, mit Aus⸗ nahme der letzten Stelle, welche ich(wegen des Schn eidern
inſelbſt mit dem Vorhergehenden in keinem Zuſammenhang zu ſtehen
n und ſchon Aſt verdächtig ſcheinenden dr 16ν0. ſummariſch müberſetzt habe, ahweichend von der in meiner Aehrenleſender Kr. und Erkl. des plat. Staates(Zeitſchr. für Alterthumsw. 1834,
1836 u. 1842) S. 594 des J. 1842 ausgeſprochnen Anſicht. Auch intheile ich die Anſicht Schneider's, daß ſämmtliche Stellen nur von lyriſchen Dichtern entlehnt ſind; denn der Meinung von Victor „Couſin, daß nach dem bisherigen Räſonnement Plato s die Ur⸗ aeber dieſer Phraſen eher bei den dramatiſchen, namentlich komiſchen, Dichtern zu ſuchen ſeien, ſtellt Schneider mit Recht das Wort vnnn alcla entgegen, welches Herr Virtor Couſin nicht wegdisputirt.
anüunter dem„kläffenden Hunde“ iſt wahrſcheinlich ein Atheiſt im Sinne des polptheiſtiſchen griechiſchen Heidenthums, unter dem
mmrm„Meiſter in Windbeuteleien“ das Haupt einer philof Sekte zu ver⸗
inn aüſtehenen In dem Gang der griechiſchen Cultur ſind von jeher nzwei ganz verſchiedne Strömungen ſichtbar: die ſittlich ſtrenge unnathraciſch⸗orpheiſche und die luſtige joniſch ⸗homeriſche. Letztere gewann im Allgemeinen die Oberhand, hatte aber beialler Schön⸗ uf heit keinen ſittlichen Halt zu bieten, als das politiſche Unglück über
Griechenland hereinbrach. Die ernſtere orpheiſche Religion erhielt unſich meiſt nur in den Wenigen zugänglichen Myſterien und erfuhr
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