Aufsatz 
Drei Paragraphen über Ideal, Einteilung und Gliederung der Philosophie. Aus einer zum Drucke bereit liegenden Handschrift: Wegweiser zur Wissenschaft und zum Studium der Hochschule für Schüler der obersten Klassen von Gymnasien
Entstehung
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9 § 2. Eintheilung und deren Begründung.

Welche wohl bleibt von allen den Philoſophien? Ich weiß nicht; Aber die Philoſophie, hoff' ich, ſoll ewig beſtehn. Schiller.

In vorſtehendem Ideal der Philoſophie ſind zugleich deren Theile und Zweige angedeutet. Aber für den Schüler wird deſſen ungeachtet noch eine Gliederung jener Theile oder ſyſte⸗ matiſche Ueberſicht derſelben nothwendig erſcheinen. Die übliche Haupteintheilung in theoretiſche und praktiſche Philoſophie, welche ſchon Ariſtoteles, Seneka, Auguſtin und andere alte*) Schriftſteller kennen aber durch das Leibnitz⸗Wolfiſche Sy⸗ ſtem erſt in allgemeine Aufnahme gekommen iſt, werden wir, wie bereits bemerkt worden, zu dieſem Behufe trotz ihres Mangels beibehalten, nachdem angedeutet worden, in wel⸗ chem Sinne ſie aufzufaſſen iſt, um ihren Werth zu würdigen. Vor Aufſtellung jener ſyſtematiſchen Ueberſicht iſt aber hier noch Mancherlei zu erörtern und feſtzuſtellen.

Erſtlich iſt zu bemerken, daß theoretiſche und practiſche Philoſophie ſich keineswegs verhalten, wie Theorie und Praxis in anderen Wiſſenſchaften; denn die ſ. g. practiſche Philoſo⸗ phie iſt auch eine Theorie, aber eine ſolche, welche ſich auf die ſittliche Praris und deren Geſetze bezieht, während die theoretiſche mit dieſer Praxis gar Nichts zu thun hat und ſich bloß auf das Vorſtellen und Erkennen nach ſeinen urſprünglichen Grundgeſetzen bezieht, weßhalb ſie auch ſpecu⸗ lative oder contemplative(im Gegenſatze der activen) genannt wird.

*) Auch Cicero kennt dieſen Unterſchied, aber in einem andren Sinne, wenn er de Natura Deorum I, 4 bemerkt: Et si omnia philo- sophiae praecepta referuntur ad vitam, arbitramur nos et publicis et privatis in rebus ea praestitisse, quae ratio et doctrina praescripserit.