Aufsatz 
Drei Paragraphen über Ideal, Einteilung und Gliederung der Philosophie. Aus einer zum Drucke bereit liegenden Handschrift: Wegweiser zur Wissenschaft und zum Studium der Hochschule für Schüler der obersten Klassen von Gymnasien
Entstehung
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1) theils die Beſtrebungen der Menſchheit in Staat und Cultur(Phil. des Rechtes, des Staates, der Geſchichte);

2) theils die Beſtrebungen der Menſchheit nach den einzelen Kräften und Elementen ihres eigentlichen Weſens

a) in Wiſſenſchaft und Sitte,

b) in Kunſt und Religion, was Alles die Sokratiker und Stoiker mit dem einfachen Namen: 1 ανραμπνπνα, die Neueren aber meiſt unter dem der practiſchen Philoſophie begreifen;

3) theils giebt ſie die Bedingungen und die dadurch be⸗ ſtimmten Methoden wegweiſend(hodogetiſch) an zum allmähligen Erringen des Reinmenſchlichen in Religion, Kunſt, Wiſſenſchaft und Sitte, d. h. die Philoſophie iſt Hodogetik;

4) theils unterſucht ſie prüfend Dasjenige, was dem in An⸗ ſehung dieſer vier Güter der Menſchheit bisher Errungenen die Nationalität, Individualität, die Zeit, der Ort ꝛc. beigemiſcht hat, d. h. die wahre Philoſophie iſt nicht nur Mutter und Pflegerin aller Wiſſenſchaften, ſondern auch die unbeſtechliche Wächterin und Schützerin vor Ent⸗ ſtellung und Verfälſchung, ſie iſt Kritik.

und Ueberflüſſiges herab blicken wollen. So z. B. Heinr. Vogel in ſeiner Schrift: Die Phil. des Lebens der Natur gegenüber den bisherigen ſpeculativen und Natur⸗Philoſophien, Braunſchw. 1845. Andre Naturforſcher dagegen, namentlich unſer großer Landsmann, haben ſich vor dieſem Extreme bewahrt und u. a. ihre Größe auch dadurch gezeigt, daß ſie die Grenzen ihrer Wiſſeenſchaft kennen und beachten. Vergl. v. Liebig's Werk: Die org. Chemie in ihrer Anw. auf Phyſiol. und Pathol. S. 5 und 6; auch Perty's Allg. Naturgeſchichte als philoſ. Humanitätswiſſ.(Bern 1840), welcher Bd. III. S. 1106 bemerkt:Die Geſchichte der Natur ſchließt aber hier, nicht indem ſie etwa in ſich ſelbſt zurückkehrt und in ſich ſelbſt ihre Befriedigung und ihr Ende findet, ſondern indem ſie an der Eingangs⸗ pforte zu andren Gebieten anlangt, in dieſer ihre Schranke erkennt und der Philoſophie und der Theologie die Aufklärung jener Regionen überläßt.