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iſt) ganz umkehrt und auf dieſe Weiſe eine Wiedergeburt des Menſchen bewirket; indem ſie ferner den Vorrang vor den übrigen Wiſſenſchaften einnimmt und ſich als eigentliche Weſens⸗ und Wiſſenſchaftslehre gleichſam als den das Pantheon der Wiſſenſchaften zuſammenhaltenden und Licht einlaſſenden Schlußring bewährt, daher nicht nur die ihr zunächſt ſtehende Mathematik über das Eigenthümliche ihrer Wiſſenſchaft, über die Demonſtration und über den Werth der ihr möglichen Con⸗ ſtruction von Begriffen, ſondern auch den empiriſchen Wiſſen⸗ ſchafts⸗Künſtler über die Probleme und Methoden ſeiner Beob⸗ achtungen und Verſuche ſowie über den Gehalt ſeiner(analo⸗ giſchen) Combinationen und Schlüſſe belehrt, das heißt in bekannteren Worten: indem ſie aus ihrer Einſicht in das Grundverhältniß die Encyclopädie der Wiſſenſchaften giebt, und zwar ſowol der bereits angebauten als auch der noch anzubauenden.
Hiebei begrenzt ſie ſich zugleich das ihr eigenthümliche und unveräußerliche Gebiet, welches Göthe den experimen⸗ tirenden Hebeln und Schrauben für unzugänglich erklärte und vor welchem ſelbſt die alle aprioriſchen Natur⸗Speculationen niederwerfende empiriſche Naturforſchung unſerer Tage ihre triumphirende Fahne geſenkt hat.*) Die Philoſophie, als die ganz eigentliche Naturforſchung des Geiſtes, verzeichnet und umſchreibt aus ſich, als aus dem gemeinſchaftlichen Puncte der Menſchheits⸗Entwicklung, den geſammten Kreis möglicher Geiſtes⸗Beſtrebungen:
*) Die neuere Philoſophie hatte ſeit der Beſeitigung der Scholaſtik das Eigenthümliche, daß ſie ſich im Allgemeinen vor Kant zu der Methode der Mathematik und Naturwiſſenſchaft hinneigte, und in dieſer Richtung haben manche Philofopheme die Schranken ihres Ge⸗ bietes vergeſſen und gleichſam ungeduldig mit den Fortſchritten der zwar langſamer aber ſicher fortſchreitenden Erfahrung eben ſo glänzende wie vergängliche Gebäude von ſpeculativen Naturviſſeeſchaften aufge⸗ ſtellt. Dagegen hat die in unſeren Tagen durch bewunderungswürdige Fortſchritte bereicherte empiriſche Naturkunde mitunter eine Art Vergel⸗ tungsrecht ausgeübt und auf die ganze Philoſophie als auf etwas Unnützes


