Aufsatz 
Über die Vermittelung des niederen und höheren Unterrichtswesens zunächst im Großherzogtum Hessen. Ein Beitrag zur praktischen Pädagogik, geschrieben im Jahre 1847
Entstehung
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Beginnen des Lateins für die Studirenden; in der dritten Anfang des Griechiſchen für dieſelben). Obwol die HH. Collegen ſich damals für dieſen Plan ausſprachen, ſo ſchien ihnen, am 22. Jan. d. J. wiederholt hierüber gutächtlich gehört, der gegenwärtige Zeitpunkt im Ganzen nicht günſtig zur Verwirklichung jenes Gedankens. Deßhalb unterließ ich es auch vorderhand, mit den betr. Behörden hierüber in die nöthigen Verhandlungen zu treten. Ich hielt es indeſſen far fu ht heerzier vor⸗ laufg hier du berichäen 11

1m) n⸗ 2 Pirn 6⸗ IV. Ueber dis Wermittelung des niederen und höheren unter⸗ richtsweſens zunächſt im Großherzogthum Heſſen. Ein Beitrag zur practiſchen pädagogit,. geſchrieben im J. 1847.

In einem öffentl. Blatte wurde Ende 1846 und Anfangs 1847 von einem größeren Orte des Großherzogthums Heſſen aus ein ziemlich warmer Streit über die Frage geführt: ob es dort zweck⸗ mäßig ſei, neben der Volksſchule eine ſ. g. Realſchule oder höhere Bürgerſchule zu gründen. (Letzteren Namen, hier beiläufig bemerkt, möchten wir immer für dieſe Art Schulen vorziehen und ihm allgemeinen Eingang wünſchen, weil er deutſch iſt und nicht ſo viele verworrene oder dunkele Vor⸗ ſtellungen zuläßt, wie der wälſche). Dieſer Streit, dem Anſcheine nach ein rein örtlicher, war doch geeignet, eine allgemeinere Theilnahme zu erregen; denn nach meiner mehrjährigen Beobachtung wurde dieſelbe Frage ſchon in andren ähnlichen größeren Ortſchaften, in Städten ohnehin, verhandelt, wenn auch nicht gerade öffentlich; es wurde ein ähnliches Bedürfniß daſelbſt empfunden, wie in den kleineren oder größeren Städten, das aber nicht zur Ausführung kam, weil man eben glaubte, die Errichtung einerRealſchule ſei nur in ſchon größeren Städten möglich. Eine unparteiiſche Aufnahme und Ver⸗ folgung dieſer Frage müßte, ſo glaubte ich nach meinen Erfahrungen, die ſo nachtheilige Kluft zwiſchen dem höheren und niederen Unterrichte vermitteln und dadurch zu einer weſentlichen Verbeſſerung unſeres ganzen Schulweſens führen, und zwar die Volksſchule heben und neu beleben, den höheren Schulen wohl]vorbereitete Schüler zuführen, die ſittliche Bildung ſowol wie die für das Leben beför⸗ dern, alſo nicht bloß eine reale, ſondern auch eine reelle Bildung überall verbreiten, und nebſtdem vielen minder bemittelten Eltern, Beamten oder Bürgern mancherlei Koſten und Sorgen erſparen.

nnun Ich glaubte damals über dieſen Streit ein Privat⸗Urtheil abgeben zu dürfen, abſehend von allen Portetem und Oertlichkeiten. Obgleich Das, was vor 1848 über Schulverbeſſerung geſagt oder geſchrieben wurde, nach den großartigen Reform⸗Planen, welche nach jenem bewegungsreichen Jahre veröffentlicht wurden, Vielen unbeachtenswerth erſcheint, ſo dürfte es doch wenigſtens nicht unpaſſend erſcheinen, wenn ich das damals über jene Frage Niedergeſchriebene, gelegentlich der Feier der Schul⸗ jahrsvereinigung zwiſchen den niederen und höheren Schulen unſerer Stadt, hier mit einigen Abände⸗ 3 rungen und Zuſätzen allen denkenden Schulfreunden zur weiteren Erwägung anheim gebe.

*) Die bisherige Aufeinanderfolge der fremden Sprachen in unſerer Anſtalt iſt folgende: in der ſechſten oder un⸗ terſten Kl. Latein und Franz., in der vierten Beginnen des Engliſchen(facultativ) und des Griechiichen für die Studirenden.