Aufsatz 
Über die Vermittelung des niederen und höheren Unterrichtswesens zunächst im Großherzogtum Hessen. Ein Beitrag zur praktischen Pädagogik, geschrieben im Jahre 1847
Entstehung
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muß nauch dem wheiteren thun⸗ Die früher berkömmliche Lehrſtundenzahl des Latein zu vermindern, da⸗ gegen die modernen Sprachen und andre auf das Leben: bezügliche Lehrgegenſtände zu berückſichtigen⸗ ſo daß wenigſtens in den unteren Klaſſen eine allgemeine oder National⸗Bildung möglich wird, das iſt zwarnein ſchöner Schritt zu dem ſchon längſt notbwendigen Geſchäfte, in der Rüſtkammer der im Lauft augehäuften Bildungs⸗ oder Lernſtoffe eine Reviſion vorzunehmen, von der Standes⸗Bil⸗ dung oder vielmehr von der Kaſten⸗Dreſſur der Jugend vom früheſten Alter ab⸗ und zu der allgemei⸗ nen Menſchen⸗ oder National⸗Bildung zurück zu gehen. Schelling hat das große Verdienſt, den babyloniſchen Bauleuten am Thurm der deutſchen Gelehrſamkeit zuerſt das inhaltsreiche Wort(in ſei⸗ ner Methode des acad. Studiums) zugerufen zu haben: während bei den Alten(Eriechen und Römern) der Jünger der Wiſſenſchaft ein ewiger Jüngling blieb, wird der bei uns (in Folge der im Lauf der Jahrhunderte angehäuften Gelehrſamkeit) als Greis geboren! Und der große Richt e begrüßte nicht umſonſt in der natürlichen Lehrweiſe eines Peſtalozzi ein Hauptmittel, um die berab eii umene, dhußſhe Nation von allem errückenden Fremden befreien zu helfen. Wer auf dem Gebiele 65 Unterrichts 8 Heiland ſein oder werden will, muß ſagen koͤnnen! meine Bürde iſt leicht und mein Joch iſt ſüß. Unter vielen traurigen Erſcheinungen der Zeit iſt die erfreuliche, daß alle denkende Schulmänner nach Bereinfacung de er behrdegeiſände und nach Matürlic.

keit der Lehrweiſe ſtreben. 148 1Seum 1 174 n.

Bet dieſen Grundſcitzen, denen wir hier lange vor den Märztagen ſchon butdigten, erſchien es uns wüi J. 1842) bei dem hieſigen practiſchen Verſuche, die ſie ch feindlich gegenüber ſtehenden Rich⸗ tungen des Realismus und Humanismus zu vermitteln, als eine Hauptſchwierigkeit, daß in der un⸗. terſten Klaſſe auf, ein Mal mit der Erlernung zweier fremden Sprachen begonnen werden mußte, mit dem Latein und dem Franzöſiſ chen. Das Latein konnte nicht zurück bleiben, weil in Folge der Convention⸗ vom 6. Jan. 1841 der Charakter des Gymnaſiums ganz beibehalten werden ſollte, und weil nach der beſtehenden Matutitätsprüfungs⸗ Verordnung*) die Schüler der oberſten Klaſſe es im Latein ſo. weit bringen ſollen, daß ſte einen Auf ſatz in derſelben ſchreiben können; mit dem Fran⸗ zoͤſiſchen konnte abet in Folge der örtlichen Bedürfniſſe auch nicht, wie z. B. in reinen Gymnaſien, zugewartet werden, indem die einem bürgerlichen Gewerbe beſtimmten Söhne der Anſtalt, für welche die franzöſt ſche Sprache bier unter allen fremden Sprachen die nothwendigſte iſt, bei weitem die Mehrzahl bilden und eh ihre Verhältniſſe gehalten ſind, die Anſtalt wieder mit dem 14. oder 15 Jahre zu verlaſſen. Ich fühlte wohl, die Erlernung zweier fremden Sprachen auf ein Mal neben einer andren Anzahl von Lehrgegenſtänden iſt ſelbſt für den talentvolleren Knaben von 10 11 Jahren ſchwer; ich ſetzte aber voraus, dieſe Schwierigkeit wenigſtens zu erleichtern. Dieſe beſtimmten Vorausſetzungen ſt ſtid aber; nur zum Theil eingetroffen. Demenä ſchien mir nach dem erſten Schritte auch der zweite nöthig. Bereits Anfangs Septembers des v. J. gab ich dem Lehrercolleg die Erwägung des Gedankens anheim, ob es zur fraglichen Erleichterung zwettmäßig und durch beſtimmte Oertlich⸗ keiten gerechtfertigt erſcheine, die fremden Sprachen alſo auf einander folgen zu laſſen: in der ſ ech⸗ ſtem. oder iterfe Klaſſe Franzöſſſh; in der iiftet nebſtdenn das Engtiſche in der vierten erſt

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2) Während der Reform⸗ Bewegungen in den letzten Jeyren ſind übexall i in dieſer Beziehung vielfache Vorſchlage gemacht worden. Das Gediegenſte hierüber las ich in Dr. Wittſtein's Ehrerb. Vorſtellung an die hohe Allg. Ständeverſammlung Hannoyers, betr, den Zuſtand unſerer Gymnaſien. Eine Reviſion der betr. Verordnungen erſcheint aber beſonders in Bezug auf jene Gymnaſien ſehr nothwendig, welche zugleich eine Bürgerbildung er⸗ zielen ſollen.