ergreifend ausſpricht, das letzte politiſche Kleinod*). Wir ſind tiefer in die Grammatik alter und neuerer Sprachen gedrungen als die Nationen derſelben ſelbſt und lehren ſie auch gründlicherz auch in unſerer Sprache haben wir in neueſter Zeit, aber auch erſt in neueſter Zeit, den Grund geſucht, und, Dank dem Voranleuchten der Dioskuren Grimm, durch Einſchlagung des hiſtoriſchen Weges wohl auch gefunden. Aber in der recht befruchtenden Methode ſind wir, trotz der Viel⸗ ſchreiberei und des vielfachen Erperimentirens darin, noch nicht weit gekommen, weder oben noch unten, weder ohne noch mit Gelehrſamkeit. In der Volksſchule wird zwar mittels der dort allgemein üblich gewordenen verwurſteten Becker'ſchen Methode, wornach der ganze Unterricht vom Satze ausgeht, viel Löbliches geleiſtet, wo nämlich der Lehrer einen Reichthum don Erfahrungen und Gedanken beſitzt, um das für's Kind an ſich todte Formelwerk auszufüllen und zu beleben; wo das aber nicht der Fall iſt, da wird mit dieſer deutſchen Satzlehre mehr deutſcher Sinn todt geſchlagen, als mit der lateiniſchen Syntaris und daraus eben ſo wenig ein deutſcher Styl ge⸗ bildet, als aus bloßen Eier ſchalen Vögel gebrütet werden, ja das Allernöthigſte, die(freilich in der jetzigen Geſtalt immer noch ſehr chineſiſche) Rechtſchreibung, wird über dem ewigen Abkanzeln der Satzlehre nicht ſelten da verſäumt.— Die höheren Schulen anlangend, ſo werden die Lehrer hiefür, während die Schullehrer doch ihren natürlichen Volksſinn behalten, in den Gymnaſien durch die alten, in den Realſchulen durch die neueren Sprachen, oder vielmehr durch Ueberladung mit denſelben, und noch mehr durch unſere deutſchtümmelnden aber wenig deutſchen Univerſitäten(die Sprache des Studenten⸗Jargon einerſeits und der„metaphyſiſche Jargon“ andrerſeits, der nach eines Englän⸗ ders richtiger Bemerkung auch eine Anſteckung auf die Tagesblätter ausübt, worüber bisher alle fremden Nationen ſich nicht ohne Grund aufhielten, iſt das ſprechendſte Zeichen) ſo entdeutſcht, daß nur durch beſondere günſtige Umſtände(z. B. beſondere Liebhaberei an Poeſie oder an deutſcher Litteratur, die Noth durch Unterricht ſich Subſiſtenz zu verſchaffen, fleißige Ueberſetzung der alten Klaſſiker ꝛc.) die Kinder Deutſchlands eben ſo ſelten, wie die Kinder Israels, aus dem ägyptiſchen Heiligthume von Weisheit und Gelehrſamkeit einen Moſes erhalten, der ſie in das gelobte Land ihrer Mutterſprache mit Liebe und Geſchick einführte. Nicht ganz ohne Grund wurde von Hrn. Dir. C. aus G. in dieſer Beziehung in der Verſammlung zu Mainz laute Klage über die deutſchen Univerſitäten geführt. Aber Vorleſungen allein thun es nicht. Es muß in den philol. und pädag. Seminarien hiezu wie zum ganzen pract. Unterrichte Anleitung gegeben werden, und zwar von gedienten, erfahrenen Schul⸗ männern. Wie die Sache jetzt ſteht, ſo hat das liebe Deutſchland zwei(oder drei) Gattungen von Lehrern ſeiner Sprache; aber, um ein gemeines Bild zu gebrauchen, während die einen Löffel haben, haben die andren den Brei, und umgekehrt. Iſt es dann ein Wunder, wenn die Ergebniſſe des Unter⸗
»*)„Ihr Deutſchen, von dem Fluthenbett des Rheines,
„Bis wo die Elbe ſich ins Nordmeer gießet;
„Die Ihr vordem ein Volk, ein großes hießet, „Was habt Ihr denn, um noch zu heißen Eines? „Was habt Ihr denn noch großes, Allgemeines; „Welch' Band, das Euch als Volk zuſammen ſchließet?
„Seit Ihr den Kaiſersſcepter brechen ließet, „Und Euer Reich zerſpalten, habt Ihr keines. „Nur noch ein einzig Band iſt Euch geblieben, „Das iſt die Sprache, die Ihr ſonſt verachtet. „Jetzt müßt Ihr ſie als Euer Einziges lieben, „Sie iſt noch Euer.⸗


