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Schülerklaſſe beſtimmen. Auf der unterſten Stufe verbannte Hr. R. den rein grammatiſchen Unterricht; er führe zu Nichts, wie er aus eigener Erfahrung wiſſe. Wie der Haupttheil der Er⸗ ziehung in der Gewöhnung beſtehe, ſo auch in dieſem Unterricht auf der unterſten Stufe Gewöhnung und(pract.) Uebung. Der Knabe müſſe in ſich geführt, zum ſelbſtthätigen Anſchauen, Vergleichen, Urtheilen an einem klaren und verſtändigen Stoffe, ſowie zum mündlichen und ſchriftlichen Wiedergeben dieſes Stoffes angeleitet werden, nachdem dieſer beim Leſen durch Beſprechung und vielſeitige Veleuch⸗ tung zur Klarheit des Verſtändniſſes gebracht worden. Das logiſch⸗„grammatiſche Element würde hier gelegentlich der fremden Sprachen angeeignet.
Erſt auf der mittleren Stufe trete zur Gewöhnung und Uebung der ſyſtematiſch⸗grammati⸗ ſche Unterricht hinzu. Die Sprache werde hier Object des Unterrichtes, aber nur nicht bloß Satz⸗ lehre, wodurch kein Styl erzeugt werde.
Nach dem ſehr wahren Winke Rouſſeau's: der Menſch ſei ſein beßter Advocat in eigener Sache, gebe man dem Schüler nur den Stoff, welcher ihn erfülle, erwärme und anrege; der Ausdruck gebe ſich von ſelbſt, wenn er ſchreibe, was er gefühlt habe.
Die Methode beim Unterricht im Deutſchen, welche nach dem etwas humoriſtiſchen Berichte des Hrn. Oberſtudienraths K. in den Würtemberger Realſchulen befolgt wird, darf im Ganzen wohl auch zu der hiſtoriſchen gerechnet werden:„Ich weiß, ſagte er, mit dem Deutſchen gar Nichts anzu⸗ fangen; es kömmt den Knaben wie böhmiſche Dörfer vor(wenn es wie eine fremde Sprache gelehrt wird). Wir laſſen ſie leſen nach den Leſebüchern von Mager, Wackernagel ꝛc., laſſen ſie aus⸗ wendig lernen, nachher declamiren; ſie bleiben aber wie alle Schwaben maulfaul; die kleineren Schüler disputiren indeß oft wie wir, die größeren aber nicht, weil ſie immer ängſtlicher werden. Ich mache daher zur Hebung des deutſchen Unterrichtes den Vorſchlag, die Knaben recht lebendig zu machen, dies möchte aber wohl am beßten durch fleißiges Turnen(will wol ſagen: Anſchauung der Natur) erzielt werden.“— Dieſer anſcheinend paradore Vorſchlag ſtimmt wol ganz mit der Horazi⸗ ſchen Styl⸗Regel überein: Sapere(sanam mentem nabere in corpore sano) principium styli et fons;— Uebrigens geht es mit dem deutſchen Unterricht in den Realſchulen und Gymnaſien außer Schwaben nach meiner Ueberzeugung nicht beſſer, nur daß hier über den geringen Erfolg nicht ſo offene Geſtändniſſe gemacht werden. Bei dieſer Verhandlung beſtand das Lehrreiche in der Wahrnehmung, daß man in den Realſchulen im Ganzen in Abſicht auf Methode des deutſchen Sprach⸗, unterrichtes wohl nicht weiter iſt, als in den Gymnaſien, und daß wir noch weit davon entfernt ſind, hierin eine objective und allgemein anwendbare Methode aufzuſtellen, um mit gewünſchtem Erfolg die deutſche Sprache zum Centrum des ganzen Unterrichtes zu machen, wie man z. B. früher die lat. Sprache dazu gemacht hat. Dies wird auch noch lange dauern, wenn die Erfahrungen hierüber nicht ſorgfältiger geſammelt werden, als bisher. Es iſt meines Wiſſens in neueſter Zeit ein Organ hiefür, eine beſondere Zeitſchrift, veranſtaltet worden; ich zweifle aber ſehr, ob ſie die nöthige allgemeine Unterſtützung findet. Aber ſelbſt in dieſem glücklichen Falle möchte das Ziel dadurch allein nicht ganz erreicht werden, da ſelbſt die endlich geglückte Methode nach beſonderen Verhältniſſen und Bedürfniſſen in den verſchiedenen Ländern Deutſchlands, ja ſelbſt in den verſchiedenen Landes⸗ theilen eines und desſelben kleinen Landes modificirt werden muß. Hiefür wären Verſammlungen der Schulmänner desſelben Landes, derſelben Provinz wohl von größtem Nutzen, um die bisher ge⸗ wonnenen allgemein giltigen Reſultate zuſammen zu ſtellen.— Wir Deutſchen haben in unſerer Mutterſprache das edelſte, einzige nationale Bildungsmittel und, wie Rückert in einem Sonett ſo


