Aufsatz 
Zur Methode des Unterrichts in der deutschen Sprache
Entstehung
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ſichtlich der Schule konnte die Erlaubniß zum Wiedererſcheinen von Progr. erwirkt werden. Die pä⸗ dagogiſchen oder ſcientifiſchen Abhandlungen*), welche wir dem Progr. zuweilen beigaben, um die Ebenbürtigkeit der mit uns in Verkehr ſtehenden Anſtalten zu behaupten, konnte deßhalb und auch in Rückſicht auf die Fonds weder ſo umfangreich noch wegen unſeres Publicums ſo erz⸗ und ſtockge⸗ lehrt ſein, wie es ſonſtwo üblich iſt und verlangt wird. Als Beleg des Geſagten möge es geſtat⸗ tet ſein, auszugsweiſe einen Bericht über das Progr. 1847 hier wieder zu geben, welchen die Neuen Jahrb. f. Ph. u. Päd. im 1. Hfte des 51. Bdes. bringen:

Als wiſſenſchaftliche Beilagen hat der Director Dr. Wiegand beigefügt 1) einen am Schluſſe der vorjährigen Prüfung gehaltenen Vortrag. Weil er in demſelben mit recht eindringlichen Worten die abgehenden Schüler der Anſtalt vor Anmaßung und Abſprecherei, ſowie vor der atheiſtiſchen und unſittlichen Tageslitteratur und Philoſophie gewarnt und ſie darauf hingewieſen hatte, daß, wenn ſie in der Schule recht philoſophiren, nicht Philoſophie gelernt hätten, ſie am beſten in der Schule und im Leben herrſchenden Spaltungen unter der Einheit der Wiſeenſchaftlichkeit ausgleichen und vermitteln würden, ſo hatte ein Correſpondent aus Worms in einem Mannheimer Blatt berich⸗ tet, daß in dem Vortrage eine Feindſchaft gegen die Philoſophie ſichtbar geweſen ſei. Hr. Dir. W. hat deßhalb den Vortrag hier noch einmal abdrucken laſſen und daran eine ausführlichere Beant⸗ wortung der Frage geknüpft: Wiefern ſind Gymnaſien philoſophiſche Bildungsan⸗ ſtalten? Er erklärt mit vollem Rechte, daß Pbiloſophie in dem Sinne, in welchem man die Sache beſtimmter mit dem Ausdrucke Philoſophem oder philoſophiſches Syſtem bezeichne, d. h. ſubjective Denkbewegungen und Weltanſchauungen, von den Gymnaſien ganz auszuſchließen ſei, und daß dieſe, wenn ſie ſich dazu verirrt, den Abweg ſtets ſchwer zu beklagen gehabt hätten; verſtehe man dagegen unter Philoſophie die theoretiſche und practiſche Durchbildung des Menſchen, ſo ſeien die Gymnaſien philoſophiſche Lehranſtalten, wenn ſie alle ihre Lehrobjecte, die feſt und unveränderlich gegeben und philoſophiſch durchgebildet ſeien, methodiſch lehren. Daß der Lehrer auch einem philoſophiſchen Syſteme huldigen könne, wird nicht nur nicht ausgeſchloſſen, ſondern, daß er ein ſolches habe, ſogar als wünſchenswerth bezeichnet. Am Schluſſe wird dann recht ernſt auf den Nachtheil, welcher für die Bildung der Jugend aus dem zu frühen Einführen in Philoſopheme hervorgehe, hingewieſen, wie denn die ganze Abhandlung ſehr viel Beherzigenswerthes enthält. Damit ſteht 2) die Beilage⸗ Probe einer Ueberſetzung der Platoniſchen Republik mit einer Einleitung über Platon's Anſicht über Philoſophie und Philoſophem, in einem innern Zuſammenhang. Die Ueberſetzung macht in uns den Wunſch rege, daß es dem Herrn Verf. vergönnt ſein möge, an die ſchon ſeit 1833 vollendete Ueber⸗ ſetzung des Ganzen die letzte Hand zu legen und ſie zu veröffentlichen.

9. Es waren wie im vorigen Jahr ſo auch in dieſem mir mehrere anonyme Schreiben, reſp. Beſchwerden zugekommen. Ich erwiedere hierauf, daß ich nur perſönlich oder namhaft geſchehenen Mittheilungen eine amtliche Berückſichtigung widmen kann, wobei man erwägen wolle, daß der Direr⸗ tor nicht allmächtig iſt.

*) In den Progr. 1838 und 39 Berichte über die Reformen des hieſigen Schulweſens(der Stadtſchulen und des Gymnaſiums), ſowie über die Schulthätigkeit des vormaligen Rectors Georg Nikolaus Wiener(1762 1772); im Progr. 1840 Schulrede über die Fortſchritte des Gymnaſiums ſeit der letzten zehn Jahre und Abhandlung. Ueber die Einheit und urſprüngliche Eintheilung der Platoniſchen Politie; 1841 über die Stufen der menſchl. Erkenntniß und deren Hauptirrwege; 1842 über Plato's Rep. X., p. 620 A; 1845 über den Erfolg des practiſchen Verſuchs einer Verſöhnung der feindlichen Principien im Unterrichtsweſen; 1846 ein

Sendſchreiben an Herrn Prof. Fr. Oſann über Plat. IX., c. 9.; 1847 über die Frage: wie fern ſind Gymna⸗ ſien philoſ. Bildungsanſtalten nebſt Probe einer Ueberſ. der Plat. Rep.