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Gefühle— immer ausgewählter bekamen, zum Theil auch ſelbſt durch immer mehr ge⸗ ſpannte Forderungen bei Aufnahme und Entlaſſung, oder mit andren Worten dadurch, daß ſie ſich zu bloßen Vorbereitungsſchulen für die Univerſität hergaben,— immer ſich ausgewählter machten. Aber genug, die Gymnaſien haben nun ein Mal dieſen(relativen) Vorzug, und alles Gute iſt mittheilbar, ſomit auch dem Unterrichte der ſ. g. Realien und den Realſchulen. Und dieſes Gut war es, zu deſſen Erhaltung für die Stadt Worms und ſeine Umgebungen ich inmitten des heutigen Streites der Schulanſichten das wenig dankbare Geſchäft eines Vermittlers übernommen und gegen die gewöhnliche Lebensklug⸗ heit mich mancherlei, nicht jedem in die Augen fallenden, Mühen unterzogen, mancher ſchiefen Beurtheilung mich ausgeſetzt habe. Und daß ich keinem bloßen Phantom dieſe Opfer gebracht habe, davon überzeugt mich bereits außer dem unſchätzbaren Vertrauen erleuchteter Regierungs⸗ und Schulbehörden, ohne welches ich nicht ein Mal hätte begin⸗ nen können, und außer der nachſichtigen Beurtheilung verſtändiger Eltern und Pädagogen noch Mancherlei. Erſtlich nämlich die Wahrnehmung, daß an manchen Orten, wo eine plötzliche Umwandlung aus einer lateiniſchen Schule oder einem vollſtändigen Gym⸗ naſium in eine Realſchule vorgenommen ward, oft weniger der Geiſt als nur die Lehr⸗ gegenſtände verändert wurden, und daß bei einer Veränderung des Geiſtes meiſt die Vergleichung mehr zu Gunſten des Sonſt, als des Jetzt ausfiel. Der alte lateiniſche Pe⸗ dantismus war ſchnell weggeſchafft, aber damit leider auch noch etwas Beſſeres, und an ſeine Stelle trat oft noch etwas Schlimmeres, nämlich, um es mit einem Worte zu ſa⸗ gen, eine Unwiſſenſchaftlichkeit oder ein Pöbel⸗Unterricht, der um ſo grauenvoller wurde, wenn dieſelben Lehrer, die ehemals mit Ernſt und Eifer die lat. Declinationen und Conjugationen lehrten, Nepos, Cäſar ꝛc. exponirten, jetzt Technologie, Naturgeſchichte und dergleichen lehren mußten. Aehnliches in einer hiſtoriſch denkwürdigen, neu emporſtrebenden und mir als zweite Heimath lieb gewordenen Stadt zu verhüten, ohne offenbare Bedürf⸗ niſſe zu verkennen, hielt ich um ſo mehr für eine nicht unwürdige Lebensaufgabe, als dieſe Stadt in einer Umgebung gelegen iſt, wo eine frühere Regierung in Folge un⸗ aufhörlicher Kriege den gründlichen Unterricht hatte verfallen laſſen, wo indeß der Baum einer politiſchen Cultur auf dem Grunde einer natürlichen Geiſtesgewecktheit längſt Wurzel geſchlagen hatte und von einer andren milden Regierung zu Blüthen gepflegt wird, wie ſie kaum irgendwo in den deutſchen Gauen ſchöner zu ſehen ſind, welche Blüthen aber, wie die Einſichtigſten der Einſichtigen wohl erkennen, nur dann ſich erhalten und
hat dieſer umſtand aber nichts weniger als gefoͤrdert. In ihm moͤchte vielmehr eine Haupturſache von dem krampfartigen Ringen nach einer ſolchen zu finden ſein, welches ſich im Kampfe zwiſchen Realſchulen und Gymnaſien verkuͤndet. Moͤge das ſchoͤne Ziel nicht verfehlt werden!


