Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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das iſt es ja eben, was Plato mit dieſem ganzen Mythus zeigen will, wie oben im I. Abſchnitte ausführlicher angedeutet worden iſt.

Haben wir durch dieſe flüchtigen Zeilen Etwas dazu beigetragen, dieſe Stelle Euch, ſtudirende Jünglinge, die Ihr das letzte Semeſter Plato's Meiſterwerk theilweiſe geleſen habet, verſtändlicher zu machen; ſo können ſie zugleich Euch, die Ihr im Begriffe ſteht, unſere Anſtalt zu verlaſſen und Eure Berufsſtudien anzutreten, als letztes väterliches Scheidewort gelten. Ähnlich den Plat. Seelen in der andren Welt, habt auch Ihr einen Lebensabſchnitt vollendet und ſtehet bei der Wahl des zweiten. Wohl Euch, wenn in Abſicht auf die Erwerbung wahrer Weisheit Euer erſter Abſchnitt Euch nicht verloren ging, und wenn Ihr im Geiſte des Platoniſchen Ulyſſes, mit Rückſicht auf Eure Kräfte und mit der Abſicht, das Wohl der Menſchheit und das Reich Gottes zu fördern, wählet, nicht nach ungeregelten Trieben und Gelüſten, wie Orpheus, Ajas ꝛc.Die einzige Kunſt, o Menſch, ſo ſchließe ich mit den Worten Herder's, des deutſchen Plato, iſt hienieden alſo Maß: das Himmelskind Freude, nach dem Du verlangeſt, iſt um Dich, iſt in Dir, eine Tochter der Nüchternheit und des ſtillen Genuſſes, eine Schweſter der Genügſamkeit und der Zufriedenheit mit Deinem Daſein im Leben und im Tode!

Programm der öffentlichen Prüfung.

Ein Hauptbeſtreben unſerer Anſtalt war bisher, dem Exempel jener Schulen nicht nachzufolgen, in welchen einige Wochen vor der öffentlichen Prüfung ein deſto regeres Treiben und Übereilen Statt findet, je ſchlaffer und planloſer das Wirken in der übrigen Zeit des Schuljahres geweſen war. In dieſem Sinne empfahl die Schulordnung neben dem Unterrichte unausgeſetztes Repetiren und Befeſtigen des Vorgetragenen(Repetitio est mater studiorum); in dieſem Sinne wurden die halbjährlichen größeren Repetitionen unter dem Namen geheime Prüfungen als das eigentliche scrutinium ingeniorum et diligentiae angeordnet; in dieſem Sinne war die öffentliche Prüfung beabſichtigter Maßen ein einfaches zwang⸗ und prunkloſes Bild von dem gewöhnlichen Schulleben des ganzen Jahres; in dieſem Sinne endlich verzichtete man abſichtlich auf einen eigentlichen ſ. g. Rede⸗Actus und ließ die Schüler nur ſolche, meiſt ſchon während des Jahres erlernte oder bearbeitete Vorträge bei der öffentlichen Prüfung halten, welche moraliſchen nationalen, die Gedanken der Jugend erweiternden oder berichtigenden überhaupt didac⸗