Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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Ich für meinen Theil achte die Codices und habe in meiner oben erwähnten Aebrenleſe oft gezeigt, wie ungern ich von ihrer Auctorität abweiche, aber auch ge⸗ zeigt, daß ſie mir nicht infallibel ſind, wo ratio ac sententiarum lux necessitasque eine andre Lesart ſelbſt gegen alle Handſchriften anrathen oder verlangen; den Plutarch anlangend, ſo mißachte ich dieſen Schriftſteller als ſolchen gleichfalls nicht, aber in kritiſcher Hinſicht iſt mir dieſer ſchon zu den Neuplatonikern gehörende Schriftſteller, der c. 50 J. nach Chr. geboren wurde(Plato ſtarb 348 v. Chr.) auch um ſo weniger unfehlbar, als bekanntlich die neuplatoniſche Schule zugleich der Pythagoriſchen Lehre zuneigte und deßhalb eher im Verdachte ſteht, daß ſie(ich behaupte nicht gerade: Plutarch) auf Veranlaſſung eines Gleichlautes einen Zahlenausdruck in den Plato hineingeleſen habe. Doch wir wollen der Unterſuchung nicht vorgreifen, die wir in der Art anzuſtellen gedenken, daß wir

I. von S. 513, 2. den Zuſammenhang mit unſerer Stelle näher ins Auge faſſen; II. eine unparteiiſche Prüfung anſtellen, welche von beiden Lesarten dem Gedanken⸗ Gange am meiſten entſpricht; III. endlich die Wegräumung der Schwierigkeiten verſuchen, welche gegen die vorgezogene Lesart erhoben worden ſind oder ſich erheben laſſen. Zum Schluſſe wird die Ent⸗ ſtehungsart der verworfenen Lesart noch angedeutet werden. . I.

Wenn wir uns das offenbar an die Pythagoräiſche Seelenwanderungs⸗Lehre erinnernde merkwürdige Schauſpiel der neuen Lebenswahl der Seelen(e 2εααααοεαᷣ α ιυνα 1οωοσνννο 1008 940⁵) näher anſehen, ſo finden wir, daß die Worte von S. 513, 6 514, 9, nämlich von 1067» Her 24 G2αιυνν εεςς˙αμα nur eine nähere, mit hiſtoriſchen Bei⸗ ſpielen eyläuterte Erklärung ſind von den Worten: 4441 ν eA⁴ 10eTv elrt œ pLolaν α Hαναααmκ.

Den erbärmlichen Anblick hiebei, um mit dieſem nach der von Plato gewählten Ordnung anzufangen, bieten dem höher Gebildeten oder Philoſophen zwei poetiſche und zwei militäriſche Celebritäten der griechiſchen Vorwelt: Orpheus und Thamyros(auch Thamyris) einerſeits, Ajas und Agamemnon andrerſeits. So hochberühmt dieſe Namen den übrigen Griechen waren, ſo nehmen ſie doch nach der Anſicht Plato's, der, obwol ganz Grieche, doch in jeder Beziehung über ſeiner Nation und ſeiner Zeit ſtand, höchſtens die zweite der drei Klaſſen ein, in welche er die Menſchen überhaupt zufolge ſeiner Pſychologie im III. Buche unſeres Werkes getheilt hat; ſie kommen nach ihm höchſtens in die Klaſſe der ſilbernen Seelen ein, d. h. derjenigen, in denen nicht das höchſte und vorzüglichſte Seelenvermögen, die Vernunft, ſondern das zweitbeßte, der, das Gemüth vorherrſcht, das nach Ehre und Ruhm und nebenbei auch nach Gewinn ſtrebt (denn Ehr⸗ und Gewinnſucht ſind nach Plato's eigenem Ausdrucke ſehr verwandt