— 27— 3) Ich wende mich endlich zu Ihnen, meine verehrten Mitlehrer, deren Thun und Laſſen für die Löſung unſerer Aufgabe vorzüglich entſcheidend iſt.
Bisherige Amtsbrüder! Um dem Maße und der Würde eines Gymnaſiums zu entſprechen, mußte ich bis jetzt oft Ihre ganze Kraft verlangen. Nicht nur war es nöthig, daß die wöchentliche Lehrſtundenzahl faſt bis zum vorſchriftsmäßigen Marimum(24) aus⸗ gedehnt wurde; es war auch nöthig, durch Eifer und Anſtrengung, durch Umſicht und Anſtelligkeit das zu erſetzen, was der Anſtalt an Reichlichkeit der Mittel abging. Man⸗ cherlei kritiſche und erſchwerende Verhältniſſe waren nicht nur eine Probe unſeres Lehrer⸗, ſondern auch unſeres Menſchenwerthes.— Durch die Fürſorge unſerer Behörden haben wir eine Anzahl rüſtiger Mitarbeiter erhalten; ſie ſind mit friſcher wohlmeinender Kraft⸗ thätigkeit bereit, ſich künftig in unſere Aufgabe zu theilen, unſere äußere, quantitative Pflichterfüllung etsvas zu erleichtern. Aber Sie, die Sie nach langjähriger Erfahrung die Bedürfniſſe und Eigenthümlichkeiten unſeres Wirkungskreiſes wohl kennen, Sie theilen mit mir gewiß auch die Ueberzeugung, daß unſere Aufgabe trotzdem auch fortan keine leichte iſt; daß wir von der früher nöthigen Sorgfalt, Umſicht und Anſtelligkeit nicht nur nicht ablaſſen dürfen, ſondern daß wir ſie vielmehr möglichſt vermehren und in jeder Lehrertugend unſeren neuen Mitlehrern amtsbrüderlich vorleuchten müſſen.
Mit dieſen Vorſätzen begrüßen wir Sie, unſere neuen Mitarbeiter; Liebe zu unſerer Berufspflicht wie zu Ihnen, geben wir zum Pfande unſeres neuen Bundes. Geben Sie dagegen uns das Pfand des Vertrauens, auf daß wir vor Allem das Aller⸗ nothwendigſte zur Löſung unſerer Aufgabe haben, nämlich Eintracht, würdige Ein⸗ tracht. Denn, Verehrteſte, was würden einer Schule alle Reformen und Umgeſtaltungen helfen, was würden die kenntnißreichſten Lehrer ihr nützen, wenn üble Eiferſucht ꝛc. ſie trennen, wenn einer den andren an dem Streben nach dem gemeinſchaftlichen Ziele hindern würde, kurz: wenn täglich, obgleich unbemerkt, dem Organismus der Anſtalt nebſt der guten Nahrung auch ſchädliche Säfte zugeführt würden.— Könnte irgend eine Umgeſtaltung, könnte die größte Zweckmäßigkeit der äußeren Form eine An⸗ ſtalt vor ſolcher Zerſtörung retten?— Durch würdige Eintracht, ich meine durch ſolche Eintracht, welche aus gemeinſchaftlicher Selbſthingabe für Amt und Pflicht ſich erzeugt, muß eine Anſtalt gedeihen, wenn ihr auch noch manches Andre mangeln ſollte. Concordin res parvae crescunt, discordia magnae dilabuntur.—
Um unſeren Bund der würdigen Eintracht zu erhalten, iſt alſo gemeinſchaftliche Selbſthingabe für unſeren Lehrerberuf nöthig, und zwar unbedingte und orts⸗ gemäße, muß ich hinzuſetzen, eben weil bei uns Schwieriges, Außerordentliches zu vollbringen iſt.
Der Lehrſtand hat große Beſchwerden, große Verantwortlichkeiten, die, redlich erfüllt,
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