Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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2) Welches iſt aber nun der nothwendige Beitrag zur Löſung unſerer Aufgabe von Seiten der Eltern? Ich will hier nicht die Ordnung und die rechte Zeit des Schul⸗ beſuchs erwähnen, welche die größte Strenge der Schule nicht erzwingen wird, wenn die Eltern nicht darauf den höchſten Werth legen, wenn die Eltern ihren Söhnen Ver⸗ ſäumniſſe nicht nur leicht bewilligen, ſondern ſie auch Vergnügens halber dazu veranlaſſen; ich will hier nicht reden von dem Anſtand, der Sittſamkeit, der Beſcheidenheit, über⸗ haupt der Zucht in der Furcht des Herrn, die dem Knaben und Jüngling die Schule allein nicht angewöhnen kann, ich will hier nur eines nennen, was aber alles Uebrige in ſich einſchließt: nämlich Achtung vor der Schule und ihren Zwecken. Was macht manchen Schüler ſo unfolgſam, ſo trotzig bei den wohlmeinendſten Verweiſen, ſo gleichgültig für jeden Lehrgegenſtand? Es iſt leider nicht ſelten ganz oder doch größten Theils das kalte Verhältniß, in welcher Eltern und Schule oft zu einander ſtehen; es ſind die unvorſichtigen oder gar geringſchätzenden Worte, welche im Elternhauſe vor den Kindern gegen die Lehrer und die Forderungen der Schule geäußert werden; es iſt die unwürdige Behandlung, die mitunter Lehrer und Schule erfahren, überhaupt mit einem Worte: der Mangel an Achtung und Schätzung alles wahrhaft geiſtigen Strebens und des geiſtigen Guten, welchen die ihrer Natur nach dem Phyſiſchen und Materiellen geneigtere Jugend ſelbſt dann ſich merkt, wenn er auch gerade nicht in Worten ſich äußert.

Um den Knaben und Jüngling geſchickt zu allen Verhältniſſen zu machen, giebt es nur ein ſicheres Mittel, nämlich durch den Unterricht zunächſt an dem rein Menſch⸗ lichen ſie geiſtig zu wecken und über die ſinnliche Welt, welcher ſie einſt, ſei es in was immer für einem Amte oder Geſchäfte, gebieten ſollen, zu erheben. Aber wecken kann die Schule den Geiſt des Knaben nur dadurch, daß ſie ihn von dem Niederen, wozu Sinnlichkeit und Weltgeiſt ihn herabziehen, auf gehörige Weiſe abwendet, ihn zum Ver⸗ nünftigen, Göttlichen leitet und hier das möglichſt höchſte Ziel ſteckt, damit er unter der möglichen Mannigfaltigkeit irdiſcher Hemmniſſe, das höhere deſto ſicherer erreiche. Wie ſoll aber dies möglich ſein, wenn dem Knaben ſchon beim erſten Eintritt in die Schule ſein künftiger Berufskreis ganz ſpeciell vom Elternhauſe vorgezeichnet und alle darauf nicht direct ſich beziehenden Lehrgegenſtände als unnütz notirt werden, kurz: wenn die Zwecke der Schule nicht geachtet werden! Muß da nicht alle Spannkraft des Geiſtes ge⸗ lähmt, aller Sinn für's Hohe und Heilige profanirt, muß nicht das niedrige Ziel eben deßhalb deſto mehr unerreicht bleiben, weil es niedrig geſteckt war! Kann irgend eine Schule, welchen Namen und welche Beſtimmung ſie auch habe, kann irgend eine Reform

derſelben da abhelfen und ausreichen! 1 Darum Heil der Schule, wo Lehrer und Eltern zum gemeinſchaftlichen Ziele ſich ernſtlich und freundlich verbinden und durch gegenſeitige Achtung ſich unterſtützen!