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bare Pflicht für mich ſein, dieſe feierliche Gelegenheit nicht vorüber gehen zu laſſen, um mit Wahrheit und Offenheit in einigen Worten den Antheil zu beſprechen, der bei der Löſung unſerer ſchweren Aufgabe den Kräften, auf deren Mitwirkung ich rechne, anheim fällt.
1,) Was ich zunächſt von der Einwohnerſchaft der Stadt überhaupt verlange?— Es könnte hier Mancherlei aufgezählt werden, ich verlange aber zunächſt nur dauerndes Intereſſe, Geduld und Vertrauen.
Unſere Zeit iſt allerdings bewundernswerth im Umformen des Alten, im ſchnellen Aufbauen des Neuen, im Streben nach Erfindungen aller Art; aber was nicht zu be⸗ wundern iſt, das iſt die ihr eigne Haſtigkeit, mit der ſie oft das Neuhingeſtellte auch befeſtigt und vollendet wähnt, es ſeinem Schickſale überläßt und mit ihrem Intereſſe zu etwas Anderem eilt, woher es dann kömmt, daß das Alte vom Neuen nicht erſetzt wird, und daß das Neue nicht allein bei den hartnäckigen Freunden des Alten nicht ohne Grund in eine Art von Verruf gebracht wird. Wie dieſe Flüchtigkeit des Intereſſe dem Ge⸗ deihen jeder Anſtalt ſchädlich iſt, ſo iſt ſie es namentlich auch dem der Schule. Wobl nöthig hat ſie von Zeit zu Zeit, wie alles Irdiſche, eine neue Form, aber die Neuheit der Form iſt nicht immer eine wahre Reform, eine Verbeſſerung. Verbeſſert kann ſie nur wahrhaft werden einerſeits im Innern durch unabläſſig und treu fortge⸗ ſetzte Pflege des Begonnenen, andrerſeits durch dauerndes Intereſſe von Außen. Der beßte Schulmann muß endlich gleichgültig werden, wenn ſein redliches Wollen und Be⸗ mühen nicht bemerkt, wenn ſeine Sorgfalt nicht erkannt, wenn ſeine unverdroſſene Lei⸗ ſtung nicht gedankt wird, mit einem Wort: wenn er, wie ſeine Schule des Intereſſe von Außen ermangelt.
Mit derſelben Schnelligkeit, mit welcher unſere Zeit baut, pflanzt, ſich bewegt, wuͤnſcht ſie auch die Früchte ihres Wirkens zu ärndten. Mag dies Begehren an dieſe oder jene Einrichtung geſtellt werden können und müſſen, aber die Schule muß ihre Zeit haben. Je edler bekanntlich die Pflanze, deſto mehr Zeit braucht ſie zu ihrer Blüthe.
Daxum noch ein Mal: auch fernerhin Intereſſe, Geduld, den Thau und Sonnen⸗ ſchein für unſre Pflanzen erbitten wir zunächſt vom Publikum überhaupt.— Und Ver⸗
trauen? Kann das gefordert werden?— Wol weiß ich, daß dies wie überhaupt, ſo auch von der Schule verdient werden muß. Aber ſelbſt dieſes Verdienen iſt nicht leicht möglich, wenn das Publikum der Schule nicht, ſo zu ſagen, einen Vorſchuß in dieſer Hinſicht bewilligt. Und dieſes Vorſchuſſes haben wir uns wol durch die Vergangenheit nicht unwürdig gemacht, indem der heute begonnene Act gleichſam nur der Schluß einer langjährigen Iäede des hieſigen Schulweſens überhaupt iſt.


