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ſondern auch die des ganzen Vaterlandes mitzuberathen und im öffentlichen Gerichtsrathe über die wichtigſten Fragen zu entſcheiden berufen iſt, und nach denen Gründlichkeit der Einſicht und die dadurch bedingte ſittliche Würde der allgemein anerkannteſte Adelsbrief ſind.— Wie könnte eine ſolche nur auf geiſtige und moraliſche Fundamente gebaute Freiheit und Berechtigung beſſer erhalten werden, als wenn der künftige Bürger wie Beamte aus derſelben geiſtigen und moraliſchen Quelle trinken?*)— Und ſollte die alſo bewirkte Erhaltung und Einrichtung unſerer Anſtalt nicht endlich drittens auch ein Glück für das ganze Vaterland ſein, wenn wahr iſt, daß dasjenige Land am glücklichſten iſt, wo die von Natur Intelligenteſten und Beßten, ohne Unterſchied der Geburt, Ge⸗ legenheit haben, zur Verwaltung der Staatsämter zu gelangen!
II.
Aber je glücklichere Früchte wir von der neuen Einrichtung unſerer Lehranſtalt hoffen, um ſo weniger können und dürfen wir die Schwierigkeiten vergeſſen, unter denen jene zu erzielen ſind.— Die Schwierigkeit unſerer Aufgabe, bemerkten wir vorhin, überſteige noch die Kräfte unſerer Zeit; ich würde daher unbeſonnen handeln, die meinigen derſelben gewachſen zu halten, wenn ich nicht feſt und ſicher auf ganz beſonders mitwirkende Kräfte und vereinte günſtige Bedingungen rechnete. Ich rechne nämlich ganz beſonders auch auf den Beiſtand der Stadt und ihrer hochachtbaren Vorſtände, ich rechne ferner auf die Unterſtützung der Eltern unſerer Schuljugend, ganz beſonders aber auf die ernſtlichſte Mitwirkung meiner geehrten Collegen, ſowol derer, welche bisher mit mir gewirkt haben, als auch derjenigen, welche ich nach dieſem ihrem feierlichen Eintritte als künftige Mit⸗ arbeiter begrüße.— Es wird mir daher nicht nur nicht erlaubt, ſondern auch eine offen⸗
*) Ein abſoluter Humaniſt hat den ernſtlichen Volksfreunden, die die Gymnaſien auf bloße Vorberei⸗ tungsſchulen fuͤr die univerſitaͤt und den Beamtenſtand beſchraͤnkt und fuͤr das Volk unabhaͤngige Bildungsanſtalten in den Realſchulen errichtet wiſſen wollten, zu Bedenken gegeben, daß ſie auf dieſe Weiſe das Gegentheil ihrer Abſicht erreichen wuͤrden, ſtatt naͤmlich das Volk zu dem Kern der Geſellſchaft heran zu erziehen, wuͤrden ſie es zum foͤrmlichen Helotismus herabziehen.— Der Mann wird, wie es mir ſcheint, Recht oder Unrecht haben, je nachdem die Real⸗Inſtitute ihre
NRiicchtung nehmen werden; Recht, wenn ſie ſich bloß zu induſtriellen Abrichtungs⸗Anſtalten der Nothdurft oder der inerudirten Plutokratie hergeben, Unrecht, wenn ſie, wozu jetzt viele achtbare Stimmen in ihrem eigenen Schooße hinweiſen, das induſtrielle Moment nur als Folge eines hoͤheren Princips erſtreben. In letzterem Falle ſind ſie aber, beilaͤufig geſagt, wenigſtens die beßten Nach⸗ barn vernuͤnftig eingerichteter Gymnaſien. Es laͤßt ſich daher auch noch hoffen, daß aus dem gegenwaͤrtigen Dualismus der paͤdag. Anſichten ſich dereinſt noch ein einheitliches nationales Erziehungsweſen entwickeln wird, das eben ſo der hiſtoriſchen Cultur wie dem Beduͤrfniſſe der Gegenwart befreundet iſt. Die paͤdag. Vermittler der Gegenwart werden aber, wie dies das
Schickſal aller Mittler iſt, die Maͤrtyrer dieſer Schule der Zukunft ſein.


