Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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das Gedeihen unſerer Gewächſe*). Die Schwierigkeit jener Vermählung muß aber ſetzt in der Wirklichkeit bei uns um ſo größer ſein, je ernſthafter unſre Zeit ſie ins Auge faſſ't und je ungeduldiger das Leben auf ihre allerdings ſo lange Zeit verſäumte und verzögerte Vollendung dringt. Und daß die Schwierigkeit jener Aufgabe bis jetzt noch faſt unüberwindbar ſcheint, beweiſ't die Thatſache, daß unſre Zeit ſich dieſelbe gleichſam zu theilen ſucht, indem ſie einerſeits beſondere Unterrichtsanſtalten für Vielſeitigkeit und Nützlichkeit, andrerſeits ebenfalls beſondere für Gründlichkeit und Tüchtigkeit zu errichten beſtrebt iſt**). Wir wollen ſolches Auskunftsmittel an ſich nicht mißbilligen, wo es thunlich oder gar nothwendig erſcheinen ſollte. In unſrer Stadt wurde es nun ein Mal nach langen und ſorgfältigen Berathungen nicht für möglich, nicht für wünſchens⸗ werth gehalten, und nach meinem Ermeſſen iſt das von unſrer weiſen Staatsregierung ſanctionirte Reſultat dieſer Berathung wenigſtens für unſre Oertlichkeit ein vielfaches Glück: ein Glück für dieſe alte ehrwürdige Stadt, die von allen Herrlichkeiten ihrer ruhmvollen Vorzeit, von allen ihren vormaligen Bildungsquellen, unter den Stürmen der Zeiten nur dieſes Gymnaſium erhalten hat und dadurch ſich nicht nur vor allen ähnlichen Schweſterſtädten auszeichnet, ſondern auch in dieſem geretteten Heiligthume die Möglich⸗ keit zu einer der Vergangenheit würdigeren Zukunft trägt, dafern wahre, gründliche Bildung das Fundament aller ächten und dauernden Größe iſt; ferner ein Glück unſerer Inſtitutionen, nach denen der Bürger nicht nur die Angelegenheiten ſeiner Gemeinde,

*) Graiis, ſagt Horat. Epist. Pis. v. 323, ingenium, Graiis dedit ore rotundo Musa loqui, praeter laudem nullius abaris. 3 und dagegen von ſeinen Roͤmern? Romani pueri longis rationibus assem Discunt in partes centum diducere. Ferner Ep. II, 1, 103: Romae dulce diu fuit et solenne reclusa Mane domo vigilare, clienti promere iura, Cautos nominibus rectis expendere nummos, Maiores audire, minori dicere, per quae Crescere res posset, minui damnosa libido.

**) Die Trennung wird, wie mir es ſcheint, deßwegen von der Zeit fuͤr nothwendig gehalten, weil ſie die hoͤhere Einheit, in welcher wie jeder Dualismus ſo auch dieſer ſich ausgleichen ſollte, ent⸗ weder verloren, oder noch nicht gewonnen hat: verloren im Chriſtenthume, noch nicht gewon⸗ nen in einer Philoſophie, die, wie die Platoniſche, in das erhabene Gebiet des aͤcht Religioͤſen culminirt. Das iſt der große unterſchied der alten(griechiſchen) Philoſophie und der modernen (deutſchen); jene erhob ſich aus dem(joniſchen) Materialismus auf eignen Fuͤßen zu einer morali⸗ ſchen Heilslehre in Plato, die der chriſtlichen nahe koͤmmt; dieſe hat in ihrem neueſten Hoͤhepuncte uns die ohne unſer Zuthun gewordene Heilslehre, die einzige noch Willen⸗heiligende und zu⸗ ſammenhaltende Kraft der menſchlichen Geſellſchaft wenigſtens nach ihrer Ueberzeugung deſtruirt.