Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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wovon Alles unter dem Monde nun ein Mal nicht ganz frei iſt, ergänzen. Und wirklich, ſoll unſer Unterrichtsweſen eines im Geiſt und der Wahrheit werden, und ſoll es in keine ſophiſtiſche oder alerandriniſche Vielwiſſerei ausarten, ſo ſcheint überhaupt Nichts dringender, als eine gegenſeitige Ausgleichung eine Dringlichkeit, die bereits auch ſchon dadurch eingeſehen wird, daß einerſeits Vorſchläge zu pädagogiſchen Seminarien der Lehrer für Gelehrtenſchulen, andrerſeits Verlängerung der Bildungszeit für die Volks⸗ ſchullehrer gemacht werden. Bis zur Realiſirung dieſer Vorſchläge und andrer Wünſche kann von beiden Ständen ſelbſt gar Viel gethan werden, wie ich den hieſigen Lehrer⸗ Collegien das rühmliche Zeugniß ertbeilen muß, daß ſie, von der richtigen Anſicht über den Gelehrtenſtand*) geleitet, im Allg. in den freundlichſten Beziehungen zu einander ſtehen. In einer ſolchen Ausſicht habe ich denn auch gewagt, was ich unter andren Oertlichkeiten unterlaſſen hätte. 3

4. Nach dieſen allgemeinen gelegenheitlichen Bemerkungen ſollten über die einzelen Lehrgegenſtände unſerer Anſtalt noch ſpecielle Angaben oder Winke folgen, auf welche Weiſe ſie die einzelen Hauptfächer auf die zu Grunde liegende Idee bezieht und wie ſie bei aller Mannigfaltigkeit des Strebens überall ein Identiſches feſtzuhalten ſucht, nicht etwa um die Didactik mit neuen Anſichten bereichern zu wollen, ſondern bloß zunächſt um uns mit örtlichen Anſichten und Meinungen in Beziehungen zu ſetzen. Dieſe Aufgabe, für jetzt zu umfaſſend, muß vorderhand anderen Gelegenheiten vorbehalten werden. Nur zwei Bemerkungen mögen hier erlaubt wreden: a. den lateiniſchen Unterricht für die gewerbtreibenden Schüler und b. den Unterricht in der Geſchichte und Geographie betref⸗ fend, indem wir wol nicht die Gelegenheit vorbeigeben laſſen können, die von unſerer Anſtalt bisher hierüber feſtgehaltenen Principien von zwei pädagogiſchen Notabilitäten beſtätigt zu ſehen.

a. Der lat. Unterricht für den gewerbtreibenden Schüler. Daß dieſe Schüler nicht ganz vom Lateiniſchen dispenſirt ſind, das hat ſchon ſeine guten Gründe nicht nur in der Natur der Anſtalt, die nach den unten S. 19 erwähnten amtl. Fun⸗

*) Tittmann(der, wohl bemerkt, zu den abſoluten Humaniſten gerechnet werden muß, wenn er rubricirt werden ſoll) aͤußert in dieſer Beziehung in der Eingangs angez. Schrift S. 74 die treff⸗ liche Anſicht:An dieſer Stelle kann ich nicht umhin,.... zu bemerken, daß ich mich nicht ent⸗ ſchließen koͤnnte, einen Schullehrer fuͤr die unterſten Volksklaſſen, der in dieſem Sinne mit klarem Bewußtſein der Aufgabe und, wenn auch mit noch ſo wenig ausgebreiteter Kenntniß, doch mit gruͤndlicher Einſicht in den Geiſt ſeiner Religionslehre, ſeiner Geſchichte, ſeiner Naturkunde und in den wahren Zweck der Lehre unterrichtete, von der Klaſſe der Gelehrten auszuſchließen, wie groß auch die Beſchraͤnktheit des umfanges ſeiner Kenntniſſe ſein moͤchte. So ſehr hat die Gelehrſam⸗ keit ihr Weſen nicht in der Ausdehnung, ſondern in der Tiefe. 3