Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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führt, ſcheint mir die einzig mögliche rechte Art zu ſein, um, ohne den Verluſt der traditionellen Cultur zu riskiren und dem groben Materialismus zu verfallen, die gegen⸗ wärtigen pädagogiſchen Gegenſätze zu vermitteln und dem Zögling neben ſeiner allge⸗ meinen und reinen Menſchenbildung zugleich und von ſelbſt(auch im Sinne des Chriſten⸗ thums: Suchet zuerſt ꝛe.) die von der Zeit mit Recht verlangte allgemeine Brauchbarkeit und Gewandtheit für das Leben mitzugeben. Die nähere Erörterung dieſer Anſicht muß ich natürlich hier ſchuldig bleiben. Daß ich mich aber in jener Idee nicht getäuſcht habe, dafür bürgt mir nicht nur die Anerkennung derſelben von Seiten billiger und ſachkundiger Beurtheiler(ſ. die Anzeige des vorjäh. Progr. in der Päd. Revne

Märzheft 1842, S. 257), ſondern auch daß noch andre Schulmänner, die unter weni⸗

ger gebietenden Umſtänden leben, ihre Verfolgung gleichfalls dringend empfehlen(vergl. Päd. Revue Aprilheft desſelben J., S. 294), ſo wie daß ſelbſt Regierungen auf die Nothwendigkeit einer ſolchen Vermittlung hindeuten(ſ. das Reſeript des Kön. Preuß. Miniſt. der Geiſtl., Unt. u. Med.⸗Ang. v. 24. Oct. 37, beſonders 8.) Dieſer Idee gemäß ward von mir nicht nur die Reform der hieſigen Stadtſchulen unternommen, ſondern auch bei der neuen Organiſation der Antrag geſtellt, daß, namentlich für gewiſſe Fächer der unteren Klaſſen, ein tüchtiger Volksſchullehrer angeſtellt werden wolle. Dieſer vielfach wohl aufgenommene Antrag fand bei der Ausführung nicht leicht überſteigbare Hinderniſſe. Unter dieſen Verhältniſſen wird demnach die Löſung der gegenwärtigen Aufgabe hauptſächlich davon abhängen, ob für ſie Statt eines einzelen Vertreters die Ge⸗ ſammtheit der Mitarbeiter zugänglich iſt, und der Mangel dieſer Einzelheit von der Ge⸗ ſammtheit ergänzt wird. Die Zeit, da beide Lehrſtände ſich fremd und ſich wechſel⸗ ſeitig ignorirend gegenüber ſtanden, iſt hoffentlich vorbei oder verſchwindet immer mehr, je mehr ſie ihre gegenſeitigen Vorzüge(im Allg, reicher Gedankenſtoff einerſeits, Ge⸗ wandtheit der Methode andrerſeits) erkennen und eben ſo das Mangelhafte auf jeder Seite,

wie es mir ſcheint. Erſtlich iſt der erſte Unterricht vor dem Gymnaſium oder in demſelben fuͤr dieſe Auffaſſung meiſt nichts weniger als vorbereitend, und hier iſt das große Feld fuͤr das freilich wenig dankbare Geſchaͤft der Vermittlung; zweitens iſt die Jugend entweder ſchon beim Eintritte in das Gymnaſium von der herrſchenden Sentimentalität oder Romantik der Neuzeit und ihrer Producte inſicirt, oder wird es waͤhrend des Beſuches desſelben und haſcht hoͤchſtens nach den wenigen und weniger fruchtbaren Bluͤthen der klaſſ. Bildung, die, wie z. B. die Mythologie, jenem krankhaften Phantaſie⸗Leben wenn auch unnatuͤrlich aſſimilirt werden koͤnnen; drittens empfaͤngt oder faſſ't die Jugend die antike Bildung zu ſehr als Maſſe(auf Maſſe hat der groͤßte Lehrer des Alterth. ſo wenig gegeben, ſ. Xenoph. Mem. IV, 7), die dann natuͤrlich deſto bereitwilliger mit dem leichten Duft der Romantik vertauſcht oder ſchlechthin weggeworfen wird. Hier ſind noch viele Lorbeeren von der Pädagogik zu erringen!