Aufsatz 
Über Platos Republik X, S. 513, 10 Bekk. :
(Nachtrag zu meiner in der Zeitung für Altertumswissenschaft, Juni-Heft d.J., S. 576-598, beendigten Ährenlese.)
Entstehung
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heit in allen Fächern wol wünſchen, aber nicht als conditio sine qua non for⸗ dern darf.

3. Hr. Deinhardt macht in ſelrer Schrift: Der Gymnaſt al⸗Unterricht kach den wiſſenſchaftlichen Anforderungen der jetzigen Zeit die treffende Bemerkung:Die Grenzen der Elementarbildung(will wol ſagen: Volksſchulbildung) und der Gymnaſialbildung fließen nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge. überhaupt...

...... vielfach in einander. Wenn dieſer Satz für irgend eine Anſtalt eine ſehr zu beherzigende Wahrheit iſt, ſo iſt ſie es beſonders für die hieſige. Daß die hieſige Anſtalt inmitten einer Provinz, wo der Volksſchulunterricht im Allge⸗ meinen zu einer verhältnißmäßig anſehnlichen Höhe gediehen iſt, und wo zum Glücke der Einwohner zwiſchen höherer und volksthümlicher Bildung durchaus nicht wie anderwärts, eine zu große Kluft exiſtirt, neben ihrer Aufgabe als Gelehrtenſchule auch die verſtändigen Wünſche für allgemeine Bürgerbildung durch und zwar nur durch enges Anſchließen an die guten Volksſchulen, ſo wie durch treuliche Fortſetzung des durch ſie, namentlich in den ſ. g. Realien(Mathematik, Naturkunde, deutſche Sprache, Geſchichte, Geographie) und in dem Religionsunterricht*) Begonnenen eben ſo in der Zukunft, wie ſie es in ihrer Vergangenheit that, befriedigen könne und werde, dies iſt eine Idee, die ihre Entſtehung einer langjährigen Erfahrung verdankt und deren Verwirklichung ich einen Theil meiner beßten Lebensjahre gewidmet habe. Eine verſtändige**) Modiſication der ſ. g. Peſtalozzi⸗ ſchen Lehrmethode, welche im Grunde ganz analpytiſch⸗philoſophiſch und ganz im Sinne der klaſſiſchen Cultur***) von der Anſchauung ausgeht und in das Intellectuelle hinüber⸗

*) Hr. Rector Clemen in Rinteln(in Brzoska's C. B. Nov. 1839) ſieht wol nicht ohne Grund die urſache des in vielen Gelehrtenſchulen bemerkten Mangels an acht religioͤſem Geiſte darin, daß deren Zoͤglinge in ihrer erſten Jugend in keiner Vorſchule waren, in der, wie dies in der guten Volksſchule ſein ſoll, die Religionslehre Haupt⸗ und der uͤbrige ſcientifiſche Theil vorderhand noch Nebenſache iſt.

*) Die Peſtalozzi'ſche Lehrmethode war bekanntlich urſpruͤnglich fuͤr Kinder, die in der Armuth ver⸗ wahrloſ't und abgeſtumpft waren, was der Methode nicht ihren Werth nimmt: das Chriſtenthum ſelbſt wurde ja auch zunaͤchſt armen, verachteten Fiſchern ꝛc. gepredigt; aber ſoll ſie mit Nutzen auch bei der Jugend angewendet werden, die durch häͤusliche Erziehung ꝛc. mehr oder minder ſchon entwickelt in die Schule koͤmmt, da muß jene Methode ſich dieſer jedesmaligen, faſt an jedem Orte verſchiedenen, mitgebrachten Cultur ꝛc. zu accomodiren wiſſen, eine Kunſt, die nicht bloß ent⸗ ſchiedenen Lehrberuf, ſondern auch keinen geringen Grad von Bildung vorausſetzt. Hinc illae lacrimae.

**) Das ungemein Bildende im Schriftenthum der antiken Welt liegt wol offenbar eben darin, daß ſelbſt ſeine geiſtreichſten Productionen(Homer, Plato) auf dem Boden der geſunden Sinnlichkeit ſo wie der ſinnlichen Anſchauung einer(idealen) Wirklichkeit ſich erhoben. Vergl. m. Abhandl. im vorj. Progr.: Ueberedie Stufen der menſchl. Erkenntniß ꝛc. Aber leider geht gerade dieſes Bildungs⸗Moment fuͤr einen großen Theil der Gymnaſialſchuͤler verloren, aus verſchiedenen Gruͤnden,