Aufsatz 
Bemerkungen über einige pädagogische Zeitfragen
Entstehung
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Manches Buch dieser Art wäre besser ungeschrieben geblieben, da es durch sein Dasein das Aufkommen eines guten Werkes hindert. Oder ist es nicht wirklich ein Schaden, wenn jede Anstalt ihren besonderen, nach eigenen Grundsätzen bearbeiteten Lehrgang hat oder erstrebt?

Wahl macht Qual. Das gilt nun nicht bloſs angesichts der grofsen Zahl der Lehrbücher des Französischen und auch Englischen sondern auch hinsicht- lich der in denselben verwirklichten verschiedenen methodischen Grundsätze. Wenn man nur zu entscheiden hätte, ob analytische oder synthetische Methode, dann läge die Sache sehr einfach. Aber da ist mehr, da ist im einzelnen noch so viel Gührung, so viel Widerspruch in den Meinungen, so viel Ungeklärtes, dals man in Verlegenheit kommen muſs, wenn man sich entscheiden soll. Hier soll sich der Unterricht an Einzelsätze anlehnen, dort an kleine Erzählungen und dergleichen, oder auch an eine fortlaufende gröſsere Geschichte, oder aber es wird das gemischte System verfolgt. Dieser Autor hält deutsche UÜbersetzungsbeispiele für überflüssig, oder gar verderblich, jener glaubt sie nicht entbehren zu können; ein dritter endlich legt den Schwerpunkt auf sogenanntefreie schriftliche Arbeiten und erlaubt Ubersetzungsübungen nur noch als Konzession einer absterbenden Zunft gegenüber. Zu weiteren Nüancen gibt die Art des Vokabellernens, der häuslichen Präparation, ferner der Umfang der systematischen Grammatik Veranlassung. Jede Nüance hat ihre besonderen Vertreter, die sicher sind, dals nur ihr Verfahren zum Ziel führt. Man hätte erwarten sollen, daſs die neuphilologischen Versammlungen etwas Einheit in dieses Wirrsal brächten, aber das ist nicht eingetroffen. Man hat dort von Jahr zu Jahr Resolutionen ge- faſst, die teilweise einander widersprechen.

Die neusprachliche Sektion der Philologenversammlung zu Dessau nahm folgende These an:

Im französischen wie im englischen Anfangsunterricht ist der Lesestoff zum Mittel- und Aus- gangspunkt zu machen und die Grammatik immer nur induktiv zu treiben. 4 Dieselbe Sektion ergänzte im nächsten Jahre diese These:

Auch in den oberen Klassen ist die Lektüre zum Mittelpunkt des Unterrichts zu machen und die Grammatik so viel wie möglich induktiv zu behandeln.

Darin liegt anscheinend kein Widerspruch, aber nur anscheinend, denn ich kann nicht annehmen, daſs man zu Dessau ohne ganz triftige Gründe nur von dem Anfangsunterricht gesprochen, damit aber als selbstverständlich für die oberen Klassen nicht ein anderes Verfahren vorausgesetzt habe.

In Gieſsen reifte dann auch folgender Satz:.

In Erwägung, daſs ein Sprachunterricht auf lautlicher Grundlage unter Beachtung der Sprach- prinzipien weit mehr Erfolg verspricht als die seither unter Zugrundelegung von Buchstaben und Regeln befolgte Methode, erklärt die Sektion eine vorbereitende Schulung durch Unterricht im Lateinischen, durch die die Schüler dem Verständnis der Laute entfremdet werden, für einen rationellen Betrieb des gesamten Sprachunterrichts für schädlich.

Als mildernden Umstand kann man für diese These nur das Misbehagen gelten lassen, welches die zustimmenden Mitglieder der Sektionen ergriffen haben mag, als sie sich zu Hause derselben erinnerten.

Man vergleiche nun mit dieser These die zu Hannover angenommenen Ahn'=

schen Sätze:

1. Die Lautlehre ist ein integrierender Teil des sprachlichen Unterrichts; ohne Kenntnis der- selben ist weder in der Muttersprache noch in einer fremden Sprache eine genaue und richtige Aus- sprache möglich.