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Extemporale, ist aus dem Latein-Unterricht in den französischen aufgenommen worden; dafs das mündliche Verfahren in jenem endlich zur Anerkennung gekommen ist, dürfte neben der drängenden Not den damit gemachten Versuchen auf neusprachlichem Gebiet zuzuschreiben sein. Professor Eckstein forderte auf der 32. Philologen-Ver- sammlung zu Wiesbaden, daſs beim altsprachlichen Unterricht mehr Gewicht auf die Sprache(das Sprechen) im Gegensatz zur Schrift, und auf die Lektüre zusammen- hängender Stücke gegenüber dem Einüben grammatischer Regeln an einzelnen Sätzen gelegt werde. W. Vietor wird durch die beifällig aufgenommenen Thesen Ecksteins zur Herausgabe seiner„Englischen Schulgrammatik“ veranlaſst. Ahn-Plötz haben von lateinischen Lehrbüchern profitiert, Perthes unzweifelhaft von den früheren analytischen Versuchen im französischen und englischen Sprachunterricht, und die neueren Metho- diker auf letzterem Gebiet haben vielfach wieder Perthes als Muster genommen, ohne ihn bis jetzt, was streng method sche Durchführung der Lehrbücher angeht, übertroffen zu haben.— Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Methode im fremdsprachlichen Unterricht dürfte zum Verständnis der heutigen Reformbewegung auf diesem Gebiete nicht überflüssig sein.
Von W. Ratich wird berichtet, dafs er seinen Lateinunterricht mit einem lateini- schen Autor begann; die Schüler wurden vorher durch eine deutsche Ubersetzung mit dem Inhalt des zu behandelnden Abschnittes bekannt gemacht. Die Philanthropinisten setzten als Regel, daſs das Kind die fremden Sprachen wie die Muttersprache durch den Gebrauch lernen müsse, wie schon Montaigne das Latein vor seinem sechsten Jahr„sans art, sans livre, sans grammaire ou précepte, sans fouet et sans larmes“. Basedow liefs dem Latein das Französische vorausgehen. Jacotot mufs mit seiner Methode als der Vorläufer der heutigen Analytiker angesehen werden. Hamilton erfindet die Interlinearmethode, ohne wohl zu wissen, daſs vor Zeiten schon die deutschen Mönche diesem Verfahren entsprechend Latein gelernt hatten. Herbart, der als Aufgabe des erziehenden Unterrichts die Forderung stellte, lebhafte Anteil- nahme, das Interesse, zu wecken, ging beim Unterricht in den alten Sprachen auch vom Ganzen aus und begann mit seinen neunjährigen Schülern den Unterricht mit dem 9. Buch der Odyssee. Ebenso that V. Stoy in seiner Erziehungsanstalt.
Als das Ideal eines gründlichen Lernens hat von der Reformation bis auf unsere Zeit gegolten, den Unterricht in einer fremden Sprache, insbesondere den alten Sprachen, mit dem Erlernen der Regeln nach einer systematischen Grammatik, der Einübung der Deklination, Konjugation etc., zu beginnen und zur Lektüre erst überzugehen, nachdem in diesen Dingen befriedigende Sicherheit erlangt worden war.
Diesem Verfahren gegenüber sucht gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der Gymnasialdirektor Seidenstücker Theorie und Praxis, Regel und Anwendung gleich von vornherein zu verbinden, so dalfs jede neugewonnene grammatische Erkenntnis durch eine Anzahl für den bestimmten Zweck geformte UÜbungssätze zur Anwendung und Einübung gelangt. Zur Lektüre zusammenhängender Lesestücke wird der Schüler erst später zugelassen.
Dieses Verfahren ist in den letzten Jahrzehnten sowohl beim Unterricht in den modernen Sprachen, wie auch bei dem in den alten maſsgebend gewesen, und bezüglich des Französischen haben die Lehrbücher von Ploetz besondere Anerkennung und Verbreitung gefunden. Diesen entsprechend gestaltete sich der Unterricht wie folgt:
Ausspracheregeln(Elemente der Lautlehre) und Grammatik werden von vorn- herein verbunden, grammatische Erscheinungen aber zunächst nur zusammenhanglos
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